Gregor Karmann · Gründer von beyond100

Ich will nicht möglichst alt werden.
Ich will möglichst lange fit bleiben.

Ich teste Routinen, Training und Vorsorge im echten Leben, zwischen Beruf, Familie und Alltag. Kein Hype, keine 40 Pillen am Tag. Was wirklich wirkt, kostet meistens fast nichts.

Seit 2023Newsletter, jeden Mittwoch
130+Ausgaben verschickt
B.A. und M.A.Fitnessökonomie, Prävention und Gesundheitsmanagement
Gregor Karmann, Gründer von beyond100, lächelnd vor lavendelfarbenem Hintergrund
beyond100 seit 2023Newsletter, YouTube, Podcast und dieser Blog
Was wirklich wirkt, kostet fast nichts. Der Rest ist Marketing.

Deshalb prüfe ich jede Routine gegen Studien, bevor sie in mein Protokoll kommt. Und ich streiche, was nicht liefert, auch wenn ich es lange geglaubt habe.

Mein System

Sechs Bereiche. Ein Alltag.

Die Kurzfassung. Weiter unten steht jeder Bereich im Detail, mit dem, was ich nutze, was ich gestrichen habe und was die Guides dazu sagen.

01

Schlaf

7 bis 8 Stunden, feste Aufstehzeit auch am Wochenende, 18 bis 20 Grad im Schlafzimmer, Oura-Ring als Kontrolle.

02

Ernährung

16:8 als Basis, erste Mahlzeit nach dem Training, zu Hause zu 90 Prozent pflanzlich, Protein bewusst hoch.

03

Bewegung

Zwei bis drei Krafteinheiten, rund 150 Minuten Zone 2 pro Woche, jeden Morgen Balance und Mobility ohne Gerät.

04

Mindset

Atemübungen, Kälte zwei- bis viermal pro Woche, abends drei Dinge Dankbarkeit, ein Labrador namens Rocco.

05

Vorsorge

Check-up 35 plus ApoB, Lp(a), HbA1c und hs-CRP als Selbstzahler, Griffkraft und Einbeinstand als Fitness-Tests.

06

Supplemente

Vitamin D im Winter, 5 g Kreatin, Omega-3: der Starter-Stack. Alles andere nur mit Grund, kein Multivitamin.

Ein typischer Tag

Von 6 Uhr bis 22 Uhr

Morgens 06:00 bis 08:00

  • 06:00Aufstehen, jeden Tag zur gleichen Zeit, 0,5 Liter Wasser
  • 06:105 Minuten Atemübung, danach 10 Minuten Tageslicht
  • 06:2020 Minuten Mini-Workout: Einbeinstand, Mobility, Kraft, ohne Gerät
  • danach30 bis 45 Minuten mit Rocco, eine Tasse Kaffee, eine Tasse Grüntee

Mittags 11:00 bis 13:00

  • ab 11:00Krafttraining oder 45 Minuten Zone 2, je nach Wochentag
  • danach10 Minuten Dehnen, kalt duschen
  • 12:00Shake mit 30 g Protein und 5 g Kreatin, erste Mahlzeit, Essensfenster bis 20 Uhr
  • ab 13:00Blaulichtfilterbrille, eine Gewohnheit, keine Wunderwaffe

Abends 19:00 bis 22:00

  • bis 20:00Letzte Mahlzeit, Abendrunde mit Rocco
  • ab 20:00Keine Bildschirme mehr, To-do-Liste für morgen
  • 21:0020 Minuten lesen, drei Dinge, für die wir dankbar sind
  • 21:30Vier Zyklen 4-7-8-Atmung, Licht aus spätestens um 22 Uhr

Biomarker

Was ich regelmäßig messe

Nicht, um Zahlen zu sammeln, sondern um zu prüfen, ob eine neue Routine wirklich etwas bringt. Ein Wert allein sagt wenig, der Verlauf über Jahre sagt viel. Tippe auf einen Marker, dann siehst du, warum er zählt und welche Zielwerte die Guides nennen.

Messen schafft Orientierung. Es ersetzt kein Körpergefühl.

VO2max

Der stärkste einzelne Prädiktor für die Sterblichkeit, stärker als Rauchen oder Diabetes (Mandsager 2018, 122.000 Personen). Ab etwa 28 ml/kg/min ist ein Großteil des Nutzens eingesammelt, jeder Punkt darüber zählt trotzdem.

Ziel
Über dem Durchschnitt der eigenen Altersgruppe, für Männer um 40 heißt „sehr gut“ ab 47 ml/kg/min
Wie ich messe
12-Minuten-Lauf (Cooper-Test) zweimal im Jahr, dazwischen die Schätzung der Sportuhr
Guide
VO2max verbessern

Ruhepuls

Günstig sind 50 bis 70 Schläge pro Minute, Ausdauertrainierte liegen bei 50 bis 60. Über 80 bedeutet in den großen Kohorten 45 Prozent mehr Sterberisiko (Zhang 2016).

Ziel
50 bis 70, Trend über Monate wichtiger als der Tageswert
Wie ich messe
Oura-Ring nachts, jeden Tag, nüchtern und ausgeschlafen
Guide
Ruhepuls: was normal ist

HRV

Die Herzratenvariabilität zeigt, wie gut das Nervensystem zwischen Anspannung und Erholung wechselt. Der eigene Trend zählt, nicht der Vergleich mit anderen. Resonanzatmung hebt sie akut um 5 bis 15 Prozent.

Ziel
Eigene Baseline halten oder heben; grobe Orientierung mit 30 bis 39 Jahren: 35 bis 65 ms Durchschnitt, über 65 exzellent (RMSSD)
Wie ich messe
Oura-Ring nachts, Wochenmittel statt Einzelnacht
Guide
HRV verbessern

Blutdruck

In der SPRINT-Studie senkte ein Ziel unter 120 mmHg systolisch statt unter 140 die Gesamtsterblichkeit um 27 Prozent, ärztlich begleitet. Ab 140/90 gehört der Wert in ärztliche Hände.

Ziel
Deutlich unter 140/90, mit Arzt Richtung 120 systolisch
Wie ich messe
Oberarmmanschette, morgens vor dem Kaffee, an drei Tagen in Folge, einmal im Quartal
Guide
Bluthochdruck natürlich senken

Blutzucker und HbA1c

Nüchtern sind 70 bis 80 mg/dl ideal, unter 100 normal, 100 bis 125 Prädiabetes. Der HbA1c zeigt den Durchschnitt der letzten drei Monate: ab 5,7 Prozent Prädiabetes, ab 6,5 Prozent Diabetes.

Ziel
Nüchtern unter 100 mg/dl, HbA1c unter 5,7 Prozent
Wie ich messe
Nüchternglukose selbst mit dem Messgerät, HbA1c einmal im Jahr im Labor
Guide
Blutzucker selber messen

ApoB

Zählt alle Partikel, die Cholesterin in die Gefäßwand tragen, und sagt das Herzrisiko besser voraus als LDL allein. Im Check-up nicht enthalten, als Selbstzahler rund 12 Euro.

Ziel
Unter 90 mg/dl für alle, unter 80 bei erhöhtem Risiko, unter 60 mit Longevity-Fokus
Wie ich messe
Einmal im Jahr im Labor, zusammen mit dem Blutbild
Guide
ApoB senken

Lipoprotein(a)

Zu über 90 Prozent genetisch festgelegt, bei jedem Fünften erhöht, durch Lebensstil kaum zu ändern. Einmal im Leben messen reicht, rund 17 Euro als Selbstzahler.

Ziel
Unter 30 mg/dl nicht erhöht, über 50 erhöht; dann LDL, Blutdruck und Rauchen umso konsequenter angehen
Wie ich messe
Einmal gemessen, Wert kennen, Familie testen lassen
Guide
Lipoprotein(a): Normwerte und Risiko

hs-CRP

Der empfindliche Entzündungsmarker. Unter 1 mg/l niedrig, 1 bis 3 mittel, über 3 hoch. Ohne Infekt messen, im Zweifel zweimal. Zehn Kilo weniger entsprechen gut 1 mg/l.

Ziel
Unter 1 mg/l
Wie ich messe
Einmal im Jahr im Labor, nie während einer Erkältung
Guide
Entzündungswerte im Blut

Griffkraft und Einbeinstand

Kraft sinkt im Alter etwa dreimal schneller als Muskelmasse und sagt mehr über die Sterblichkeit als die Waage. Wer mit 51 bis 75 keine 10 Sekunden auf einem Bein steht, hat in sieben Jahren ein 84 Prozent höheres Sterberisiko (Araujo 2022).

Ziel
Griffkraft über der Risikoschwelle der Altersgruppe (Männer 40 bis 44: 44 kg, Mittel 53 kg), Einbeinstand über 30 Sekunden
Wie ich messe
Dynamometer für 30 Euro, Einbeinstand beim Zähneputzen, Krafttests im Training
Guide
Gleichgewicht trainieren und Kraft oder Muskelmasse

Schlaf

7 bis 8 Stunden, das niedrigste Risiko liegt bei 7. Der Tracker liefert Dauer, Ruhepuls und HRV; der Score ist ein Trendwert, keine Note. Wer wegen der Zahl schlechter schläft, hat Orthosomnie, dann Ring ab.

Ziel
7 bis 8 Stunden, gleicher Aufstehzeitpunkt, Score-Trend stabil
Wie ich messe
Oura-Ring, Wochenmittel; Einzelnächte ignoriere ich
Guide
Schlaftracker im Vergleich

Ehrlich gesagt

Nicht perfekt.
Nur konsequent.

Ich schaffe es nicht, jeden Tag genau diese Routinen durchzuziehen. Das ist auch nicht schlimm. Ich mache das, was sich gut und richtig anfühlt. Neben allem Messen darf man nicht verlernen, auf sein Bauchgefühl zu hören.

Wenn ich mal schlapp bin und keine Motivation fürs Training habe, ist das in Ordnung. Wenn es einen schönen Abend mit Freunden gibt, obwohl ich laut Protokoll längst im Bett sein sollte, ist auch das in Ordnung. Wer versucht, mit Druck und Stress sein Leben zu verlängern, wird scheitern.

Gregor Karmann mit Medaille im beyond100-Shirt nach einem 30-Kilometer-Lauf
30-Kilometer-Lauf, September 2024, Vorbereitung auf den ersten Marathon
Gregor Karmann beim Lauftraining
Zone 2, dreimal pro Woche
Gregor Karmann im Eisbad mit Mütze
Eisbad im Winter, zwei- bis viermal pro Woche
Labrador Rocco, Gregors Hund
Rocco, seit 2021 mein täglicher Bewegungs-Coach

Zum Nachlesen

Mein Protokoll im Detail

Was ich nutze, warum ich es nutze und was ich wieder gestrichen habe. Jeder Punkt verlinkt den Guide mit den Studien. Aufklappen, was dich interessiert.

01SchlafDauer, Aufstehzeit, Temperatur, Oura-Ring, Blaulichtfilter, Kopfkissen, was ich gestrichen habe

Dauer und feste Aufstehzeit

7 bis 8 Stunden. Unter 7 steigt das Sterberisiko in den großen Kohorten um 12 Prozent, über 8 bis 9 um 30 Prozent (Cappuccio 2010, 1,3 Millionen Menschen). Wichtiger als die Schlafenszeit ist die feste Aufstehzeit: bei mir 6 Uhr, auch am Wochenende, danach 10 Minuten Tageslicht. Der Rest steht im Guide Besser schlafen: die 12 Hebel.

Schlafzimmer 18 bis 20 Grad

Der Oura-Ring zeigt mir jedes Jahr dasselbe: Sobald es wärmer wird, schlafe ich schlechter. Optimal sind 18 bis 20 Grad. Für den Sommer habe ich zwei Kühlsysteme getestet, den Bedjet 3 über 60 Nächte und den Sleepme Cube über 25. Mein Schlafscore stieg von etwa 80 auf über 85, trotzdem gingen beide zurück: zu laut, zu teuer für den Effekt. Eight Sleep habe ich nicht selbst getestet. Meist reichen die Grundlagen unter 50 Euro; den Vergleich der Geräte findest du unter Eight Sleep und die Alternativen.

Oura-Ring

Ich messe meinen Schlaf seit Jahren mit dem Oura-Ring. Er gibt morgens einen Score von 0 bis 100 und misst nachts Ruhepuls, Temperatur und HRV. Ich brauche ihn, um Neues zu prüfen: Verbessert eine Änderung den Wochentrend oder nicht? Die wichtigste Zahl ist die HRV, Einzelnächte ignoriere ich. Welche Tracker taugen, steht im Schlaftracker-Vergleich.

Blaulichtfilterbrille ab 13 Uhr

Ich trage sie seit Jahren ab dem frühen Nachmittag. Ehrlich eingeordnet: Die Studienlage ist unklar, es gibt Studien mit kleiner Verbesserung der Schlafqualität und Studien ohne Effekt, negative Effekte keine. Was sicher wirkt, ist abends das Licht zu dimmen und um 20 Uhr die Bildschirme auszumachen. Die Brille ist für mich die Erinnerung daran.

Kopfkissen

Ich benutze das Kopfkissen von Blackroll. Es ist im Koffer immer dabei, und ich bekomme damit weder Nackenschmerzen noch eingeschlafene Arme. Viele probiert, dieses verbindet Komfort, Transport und Preis am besten.

Gestrichen: Mundpflaster Getestet

Durch das Buch „Breath“ von James Nestor habe ich mit der Nasenatmung angefangen und nachts wochenlang den Mund zugeklebt. Ergebnis: kein Unterschied beim Aufwachen, keiner im Oura-Score. Die Evidenz ist dünn, eine einzige Studie mit 20 Mundatmern. Heute trainiere ich die Nasenatmung tagsüber und lasse das Pflaster weg. Warum, steht unter Mouth Taping.

Blaulichtfilterbrille von Barner
Blaulichtfilterbrille, ab 13 Uhr
Blackroll Schlafkissen
Kopfkissen, reist mit
Oura Ring Generation 3
Oura-Ring, misst seit Jahren
02ErnährungWasser, Qualitarier, 16:8, die täglichen 10, Protein und Post-Workout

Wasser

„Ohne Sprudel schmeckt Wasser doch gar nicht.“ Das war lange meine Meinung. Seit etwa zwei Jahren trinke ich nur noch stilles Leitungswasser. Es heißt, Leitungswasser sei das am besten kontrollierte Lebensmittel; die berechtigte Frage ist, worauf es kontrolliert wird und worauf nicht. Deshalb haben wir einen Aktivkohlefilter gekauft. Ein Longevity-Hebel ist das nicht, eine Geschmacksfrage schon.

Qualitarier

Acht Jahre war ich Vegetarier. Heute nenne ich mich Qualitarier, von Qualität: Ich esse das für die jeweilige Situation bestmögliche Lebensmittel. Bin ich in einem Land, Restaurant oder auf einer Feier mit viel Fleisch und die Alternative wäre nur Salat, wähle ich das Fleischgericht. Zu Hause esse ich zu 90 Prozent pflanzlich, nah an der Mittelmeerdiät.

16:8

Heilfasten, Basenfasten, Eiweißfasten: Ich habe viele Methoden ausprobiert. Geblieben ist 16:8, die alltagstauglichste Variante mit der besten Datenlage. Mein Essensfenster geht von etwa 12 bis 20 Uhr, die erste Mahlzeit kommt nach dem Training. Beim Menschen belegt sind Gewicht, Blutzucker und Blutdruck, ein längeres Leben bisher nur bei Mäusen. 5:2 und Alternate-Day-Fasting bringen bei gleichen Kalorien nichts zusätzlich, und eine Mahlzeit am Tag kostet Muskelmasse. Details im Guide Intervallfasten und Longevity.

Die täglichen 10

Frag zehn Menschen, was gesunde Ernährung ist, und du bekommst zehn Antworten. Das Buch „How Not to Die“ hat mir die Augen geöffnet: Es behandelt die 15 häufigsten Todesursachen der westlichen Welt und wie Ernährung ihnen vorbeugt. Aus dem täglichen Dutzend des Autors habe ich meine täglichen 10 gemacht, weil Wasser trinken und Bewegung bei mir ohnehin gesetzt sind:

  1. Nüsse
  2. Leinsamen
  3. Beeren
  4. Anderes Obst
  5. Kreuzblütlergemüse
  6. Vollkorn
  7. Blattgemüse
  8. Anderes Gemüse
  9. Bohnen, Hülsenfrüchte, Samen
  10. Gewürze

Protein und Post-Workout

Mit Krafttraining ziele ich auf 1,6 bis 1,8 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht, verteilt auf drei bis vier Mahlzeiten mit je 25 bis 30 g. Da ich fast kein Fleisch esse, hilft ein Shake nach dem Training: 30 g Protein, vegan oder Whey, plus 5 g Kreatin, innerhalb von ein bis zwei Stunden. Die 50-g-Shakes mit Glutamin von früher habe ich gestrichen: Mehr als 30 g pro Portion bringt nichts, und für Glutamin fehlt der Beleg. Bedarf und Timing stehen im Guide Protein ab 50.

Gregor Karmann mit einer Kiste voll frischem Gemüse
Die täglichen 10, frisch vom Markt
Dosen mit veganem Proteinpulver und Whey
Vegan und Whey, im Wechsel
Dose Kreatin-Monohydrat
5 g Kreatin, jeden Tag
03BewegungKrafttraining, Zone 2 und Intervalle, Balance, Mobility

Krafttraining

Seit ich mit 14 einem Ruderclub beigetreten bin, mache ich Krafttraining. Es ist eines der besten Mittel, um Lebens- und Gesundheitsspanne zu verlängern. Heute reichen mir zwei bis drei Ganzkörpereinheiten pro Woche mit 45 Minuten: vier bis sechs Grundübungen, zwei bis vier Sätze mit sechs bis zwölf Wiederholungen, 48 Stunden Pause pro Muskelgruppe. Das Ziel ist Kraft, nicht die Waage: Kraft sinkt im Alter etwa dreimal schneller als Muskelmasse und sagt mehr über die Sterblichkeit. Programm und Studien im Krafttraining-Guide.

Zone 2 und Intervalle

Ehrlich: Ein Fan von Ausdauertraining war ich lange nicht. 2019 lief ich meinen ersten Halbmarathon und hatte danach erst einmal genug. 2021 begann ich mit Sprinttraining, 2022 lief ich einen lokalen 10-Kilometer-Wettkampf und merkte, dass mir kürzere Distanzen und der Wettkampfgedanke liegen. 2024 folgte der München-Marathon, vorbereitet mit vier Cardioeinheiten pro Woche. Im Normalbetrieb sind es drei Zone-2-Einheiten mit 45 Minuten bei 60 bis 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz, also rund 150 Minuten, plus eine Intervalleinheit. Das trainiert die VO2max, den stärksten Prädiktor für ein langes Leben. Guides: Zone-2-Training und VO2max verbessern.

Balance

In der Uni wurde uns der typische Weg erklärt, auf dem alte Menschen in Deutschland sterben: Im Winter rutscht die Oma aus, bricht sich den Oberschenkelhals, liegt Wochen im Krankenhaus, baut mental und körperlich ab, bekommt vom Liegen eine Lungenentzündung und stirbt an deren Folgen. Stürze sind die häufigste Unfallursache über 65, jeder Dritte stürzt jährlich. Man muss nicht warten, bis man alt ist: Balance gehört bei mir in das morgendliche Mini-Workout, wenige Minuten, ohne Gerät, plus Einbeinstand beim Zähneputzen, eine Minute je Seite. Mein Balance-Board ist Stufe 3, kein Einstieg. Der 8-Wochen-Plan steht im Guide Gleichgewicht trainieren.

Mobility

Mobility, Stretching, Dehnen: Für mich ist das eine Einheit. Jeden Morgen 10 Minuten aktive Mobility für Hüfte, Schultern und Wirbelsäule, weil ich im Nacken sehr steif bin. Nach dem Kraft- oder Ausdauertraining folgen 10 Minuten statisches Dehnen, dabei übe ich Front- und Seitspagat. Es ist ein weiterer Weg als gedacht. Die Routine: 10 Minuten Mobility.

Gregor Karmann beim Klimmzug an einer Outdoor-Stange
Klimmzüge, Grundübung Nummer eins
Gregor Karmann beim Mobilitytraining im Ausfallschritt
Mobility, 10 Minuten am Morgen
Gregor Karmann auf dem Balance-Board im Wohnzimmer
Balance-Board, Stufe 3
04MindsetAtmung, Kälte, Dankbarkeit, Lachen, neun Prinzipien, Hund

Atmung

Ich dachte immer, ich bekomme wenig Luft durch die Nase. „Breath“ von James Nestor hat mich eines Besseren belehrt, seitdem atme ich bewusst durch die Nase. Morgens mache ich 5 Minuten Resonanzatmung mit der App Prana Breath: 5,5 Sekunden ein, 5,5 Sekunden aus, also fünf bis sechs Atemzüge pro Minute. Das hebt die HRV akut um 5 bis 15 Prozent und ist der direkteste Weg zum Vagusnerv. Abends vor dem Einschlafen vier Zyklen 4-7-8: vier Sekunden durch die Nase ein, sieben halten, acht durch den Mund aus. Mehr im Guide Atemübungen.

Kältetherapie

Das Thema polarisiert, deshalb klar: Kalt duschen und Eisbaden verbessern Stimmung und Stressresistenz zuverlässig, für ein längeres Leben gibt es bisher keinen Beleg. Im Frühjahr, Sommer und Herbst dusche ich kalt. Im Winter haben wir eine Regentonne zum Eisbad umfunktioniert, das nutze ich zwei- bis viermal pro Woche, drei bis fünf Minuten, nach dem Krafttraining mit mindestens vier Stunden Abstand. Spannend ist für mich weniger die körperliche als die mentale Reaktion: Es kostet jedes Mal Überwindung, danach fühlst du dich klar und erfrischt. Studien und Tabus im Guide Kältetherapie.

Dankbarkeit und Lachen

Abends nennen meine Frau und ich uns drei Dinge, für die wir dankbar sind. Zwei Minuten, keine App. Und auf meiner To-do-Liste steht tatsächlich der Punkt Lachen, ein ehrliches, tiefes Lachen, am besten nicht allein. Meist nehme ich mir vor, jemand anderen zum Lachen zu bringen, dann lache ich selbst am meisten. Starke Beziehungen erhöhen die Überlebenswahrscheinlichkeit um 50 Prozent (Holt-Lunstad 2010, 148 Studien). Mehr unter Stress und Longevity.

Innere Einstellung

Ein riesiger Begriff, aber er trifft es. Im Laufe meines Lebens habe ich mir ein paar Prinzipien zu eigen gemacht, aus eigener Erfahrung oder von anderen:

  1. Lass nicht zu, dass dein Stolz dir in die Quere kommt
  2. Angenehm anders als andere
  3. Hartnäckige Höflichkeit hilft
  4. Keine Erwartungen an Ereignisse
  5. Pura Vida: genieße das Leben
  6. Dankbar sein für das, was man hat
  7. Planung ist das halbe Leben
  8. Nimm dich selbst nicht zu wichtig
  9. Kümmere dich um andere

Hund

Wie jedes Kind wollte ich einen Hund. Stattdessen gab es bei uns Hühner, Enten, Hasen, Hamster, Meerschweinchen und eine Katze. Der Wunsch blieb. 2021 passten die Rahmenbedingungen, und Labrador Rocco kam als neun Wochen alter Welpe zu meiner Frau und mir. Ein Hund sorgt dafür, dass ich jeden Tag rausgehe, senkt nachweislich das Stresslevel und lehrt Verantwortung. Ein großer Hund ist eben etwas anderes als ein Meerschweinchen, auch wenn er einen manchmal zur Weißglut bringt.

Gregor Karmann nach dem Eisbad in der Regentonne, Rocco daneben
Regentonne als Eisbad, Rocco passt auf
Gregor Karmann mit Wim Hof
Mit Wim Hof, dem Iceman
Gregor Karmann lachend mit Cap am Fahrrad
Lachen steht auf der Liste
05Vorsorge und BiomarkerCheck-up 35, Selbstzahler-Werte, Fitness-Tests, Vorsorgetermine, das Bauchgefühl

Check-up 35 plus vier Werte

Die Kasse zahlt ab 35 alle drei Jahre Blutdruck, Cholesterin, Triglyzeride, Nüchternglukose und Urin. Ein Blutbild ist nicht dabei. Ich lasse deshalb einmal im Jahr die Werte dazunehmen, die Krankheit und Sterblichkeit wirklich vorhersagen: ApoB (rund 12 Euro), HbA1c (rund 12 Euro), hs-CRP und einmal im Leben Lipoprotein(a) (rund 17 Euro). Dazu am Winterende Vitamin D und den Omega-3-Index, damit die Supplemente einen Grund haben. Was du beim Check-up sagen musst, steht im Guide Check-up 35.

Fitness-Tests ohne Labor

Einbeinstand beim Zähneputzen, Griffkraft mit einem Dynamometer für 30 Euro, VO2max per 12-Minuten-Lauf, Taillenumfang, Ruhepuls und HRV vom Ring. Das sind die Werte, die ich alle drei Monate anschaue. Wie sie zusammen ein Bild ergeben, erklärt der Guide Biologisches Alter testen.

Vorsorgetermine

Hautkrebs-Screening (die Kasse zahlt ab 35 alle zwei Jahre), Zahnarzt halbjährlich, Hörtest und Augencheck, weil unbehandelter Hörverlust einer der größten vermeidbaren Demenz-Faktoren ist, Urologe, ab 50 die Darmkrebsvorsorge. Alles steht im Kalender, nicht im Kopf. Warum Hören und Sehen zur Vorsorge gehören: Demenz vorbeugen.

Das Bauchgefühl

Was wäre ein Longevity-Blog ohne die eigene Strategie? Mein Protokoll ist nicht in Stein gemeißelt. Jede Woche finde ich Neues heraus und passe Routinen an. Ich schaffe es nicht, jeden Tag alles umzusetzen, und das ist in Ordnung. Neben allem Messen darf man nicht verlernen, auf den Körper zu hören. Wer versucht, mit Druck und Stress sein Leben zu verlängern, wird scheitern.

Blutzucker-Messgerät mit Teststreifen
Nüchternglukose, selbst gemessen
VO2max-Training auf dem Laufband
VO2max, zweimal im Jahr getestet
Balance-Board
Einbeinstand: über 30 Sekunden ist gut
06SupplementeVitamin D, Kreatin, Omega-3, Magnesium, was ich gestrichen habe

Vitamin D

61,6 Prozent der Deutschen liegen unter 20 ng/ml. Von Oktober bis März nehme ich 1.000 bis 2.000 IE Vitamin D3 täglich als Tropfen in Öl, weil es fettlöslich ist. Ziel sind 20 bis 40 ng/ml, mehr bringt nichts. Im Sommer reicht die Mittagssonne auf unbedeckten Armen. Dosierung, K2-Frage und Messung im Guide Vitamin D3 und K2.

Kreatin

Lange war Kreatin für mich ein reines Kraftsport-Supplement. Es ist eines der am besten untersuchten Mittel überhaupt: Mit Krafttraining plus 1,37 kg fettfreie Masse und mehr Kraft bei 57- bis 70-Jährigen (Chilibeck 2017, 22 Studien), dazu ein besseres Kurzzeitgedächtnis, besonders bei Schlafmangel. Ich nehme 5 g Monohydrat täglich, ohne Ladephase; nach drei bis vier Wochen sind die Speicher voll. Ohne Training wirkt es kaum. Guide: Kreatin und Longevity.

Omega-3

Zweimal pro Woche fetter Fisch oder 1 bis 2 g EPA und DHA am Tag, Ziel ist ein Omega-3-Index von 8 bis 11 Prozent. Die ehrliche Bilanz: In der VITAL-Studie mit 25.871 Personen sanken schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse insgesamt nicht, Herzinfarkte aber um 28 Prozent, und Entzündungswerte wie CRP gehen messbar runter. Deshalb bleibt es im Stack, und ich messe den Index statt zu raten. Guide: Omega-3.

Magnesium

300 bis 400 mg als Citrat oder Glycinat an harten Trainingstagen und in Phasen mit Krämpfen. Wer viel Gemüse, Nüsse und Vollkorn isst, braucht es meist nicht; der Serumwert im Blut sagt dazu wenig. Welche Form für welchen Zweck: Magnesium-Arten im Vergleich.

Gestrichen: Multivitamin und Zink Gestrichen

Über 20 Jahre und 390.000 Menschen hinweg ist ein Multivitamin nicht mit einer geringeren Sterblichkeit verbunden (Loftfield 2024). Zink nehme ich nicht mehr pauschal: ohne nachgewiesenen Mangel fehlt der Grund. Die Regel dahinter: erst messen, dann ergänzen, und nur, was das Blutbild oder ein klares Symptom verlangt. Das Ranking aller Stoffe steht im Guide Longevity-Supplemente.

Protein

Kein Supplement im eigentlichen Sinn, aber in meiner Küche: Proteinpulver, vegan oder Whey, um auf 1,6 bis 1,8 g pro Kilo zu kommen. Mehr dazu unter Ernährung.

Dose Kreatin-Monohydrat
Kreatin-Monohydrat, 5 g
Omega-3-Kapseln
Omega-3, Index statt Raten
Zink- und Magnesiumkapseln
Magnesium ja, Zink gestrichen

Außerhalb des Blogs

Wo du mich sonst noch hörst und liest

ARD und WDR

Interview in „Besondere Zeiten“

WDR-5-Folge in der ARD Audiothek über Longevity und die neue Sehnsucht nach Langlebigkeit, mit einer Ärztin und einer Longevity-Trainerin.

Zum Interview
Magazin [inne]halten

Porträt: Länger leben durch Selbstoptimierung?

Das Magazin des Sankt Michaelsbunds hat meinen Alltag zwischen Protokoll und Bauchgefühl porträtiert, März 2025.

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