Gregor Karmann · Gründer von beyond100
Ich will nicht möglichst alt werden.
Ich will möglichst lange fit bleiben.
Ich teste Routinen, Training und Vorsorge im echten Leben, zwischen Beruf, Familie und Alltag. Kein Hype, keine 40 Pillen am Tag. Was wirklich wirkt, kostet meistens fast nichts.

Was wirklich wirkt, kostet fast nichts. Der Rest ist Marketing.
Deshalb prüfe ich jede Routine gegen Studien, bevor sie in mein Protokoll kommt. Und ich streiche, was nicht liefert, auch wenn ich es lange geglaubt habe.
Mein System
Sechs Bereiche. Ein Alltag.
Die Kurzfassung. Weiter unten steht jeder Bereich im Detail, mit dem, was ich nutze, was ich gestrichen habe und was die Guides dazu sagen.
Schlaf
7 bis 8 Stunden, feste Aufstehzeit auch am Wochenende, 18 bis 20 Grad im Schlafzimmer, Oura-Ring als Kontrolle.
Ernährung
16:8 als Basis, erste Mahlzeit nach dem Training, zu Hause zu 90 Prozent pflanzlich, Protein bewusst hoch.
Bewegung
Zwei bis drei Krafteinheiten, rund 150 Minuten Zone 2 pro Woche, jeden Morgen Balance und Mobility ohne Gerät.
Mindset
Atemübungen, Kälte zwei- bis viermal pro Woche, abends drei Dinge Dankbarkeit, ein Labrador namens Rocco.
Vorsorge
Check-up 35 plus ApoB, Lp(a), HbA1c und hs-CRP als Selbstzahler, Griffkraft und Einbeinstand als Fitness-Tests.
Supplemente
Vitamin D im Winter, 5 g Kreatin, Omega-3: der Starter-Stack. Alles andere nur mit Grund, kein Multivitamin.
Ein typischer Tag
Von 6 Uhr bis 22 Uhr
Morgens 06:00 bis 08:00
- 06:00Aufstehen, jeden Tag zur gleichen Zeit, 0,5 Liter Wasser
- 06:105 Minuten Atemübung, danach 10 Minuten Tageslicht
- 06:2020 Minuten Mini-Workout: Einbeinstand, Mobility, Kraft, ohne Gerät
- danach30 bis 45 Minuten mit Rocco, eine Tasse Kaffee, eine Tasse Grüntee
Mittags 11:00 bis 13:00
- ab 11:00Krafttraining oder 45 Minuten Zone 2, je nach Wochentag
- danach10 Minuten Dehnen, kalt duschen
- 12:00Shake mit 30 g Protein und 5 g Kreatin, erste Mahlzeit, Essensfenster bis 20 Uhr
- ab 13:00Blaulichtfilterbrille, eine Gewohnheit, keine Wunderwaffe
Abends 19:00 bis 22:00
- bis 20:00Letzte Mahlzeit, Abendrunde mit Rocco
- ab 20:00Keine Bildschirme mehr, To-do-Liste für morgen
- 21:0020 Minuten lesen, drei Dinge, für die wir dankbar sind
- 21:30Vier Zyklen 4-7-8-Atmung, Licht aus spätestens um 22 Uhr
Biomarker
Was ich regelmäßig messe
Nicht, um Zahlen zu sammeln, sondern um zu prüfen, ob eine neue Routine wirklich etwas bringt. Ein Wert allein sagt wenig, der Verlauf über Jahre sagt viel. Tippe auf einen Marker, dann siehst du, warum er zählt und welche Zielwerte die Guides nennen.
Messen schafft Orientierung. Es ersetzt kein Körpergefühl.
VO2max
Der stärkste einzelne Prädiktor für die Sterblichkeit, stärker als Rauchen oder Diabetes (Mandsager 2018, 122.000 Personen). Ab etwa 28 ml/kg/min ist ein Großteil des Nutzens eingesammelt, jeder Punkt darüber zählt trotzdem.
- Ziel
- Über dem Durchschnitt der eigenen Altersgruppe, für Männer um 40 heißt „sehr gut“ ab 47 ml/kg/min
- Wie ich messe
- 12-Minuten-Lauf (Cooper-Test) zweimal im Jahr, dazwischen die Schätzung der Sportuhr
- Guide
- VO2max verbessern
Ruhepuls
Günstig sind 50 bis 70 Schläge pro Minute, Ausdauertrainierte liegen bei 50 bis 60. Über 80 bedeutet in den großen Kohorten 45 Prozent mehr Sterberisiko (Zhang 2016).
- Ziel
- 50 bis 70, Trend über Monate wichtiger als der Tageswert
- Wie ich messe
- Oura-Ring nachts, jeden Tag, nüchtern und ausgeschlafen
- Guide
- Ruhepuls: was normal ist
HRV
Die Herzratenvariabilität zeigt, wie gut das Nervensystem zwischen Anspannung und Erholung wechselt. Der eigene Trend zählt, nicht der Vergleich mit anderen. Resonanzatmung hebt sie akut um 5 bis 15 Prozent.
- Ziel
- Eigene Baseline halten oder heben; grobe Orientierung mit 30 bis 39 Jahren: 35 bis 65 ms Durchschnitt, über 65 exzellent (RMSSD)
- Wie ich messe
- Oura-Ring nachts, Wochenmittel statt Einzelnacht
- Guide
- HRV verbessern
Blutdruck
In der SPRINT-Studie senkte ein Ziel unter 120 mmHg systolisch statt unter 140 die Gesamtsterblichkeit um 27 Prozent, ärztlich begleitet. Ab 140/90 gehört der Wert in ärztliche Hände.
- Ziel
- Deutlich unter 140/90, mit Arzt Richtung 120 systolisch
- Wie ich messe
- Oberarmmanschette, morgens vor dem Kaffee, an drei Tagen in Folge, einmal im Quartal
- Guide
- Bluthochdruck natürlich senken
Blutzucker und HbA1c
Nüchtern sind 70 bis 80 mg/dl ideal, unter 100 normal, 100 bis 125 Prädiabetes. Der HbA1c zeigt den Durchschnitt der letzten drei Monate: ab 5,7 Prozent Prädiabetes, ab 6,5 Prozent Diabetes.
- Ziel
- Nüchtern unter 100 mg/dl, HbA1c unter 5,7 Prozent
- Wie ich messe
- Nüchternglukose selbst mit dem Messgerät, HbA1c einmal im Jahr im Labor
- Guide
- Blutzucker selber messen
ApoB
Zählt alle Partikel, die Cholesterin in die Gefäßwand tragen, und sagt das Herzrisiko besser voraus als LDL allein. Im Check-up nicht enthalten, als Selbstzahler rund 12 Euro.
- Ziel
- Unter 90 mg/dl für alle, unter 80 bei erhöhtem Risiko, unter 60 mit Longevity-Fokus
- Wie ich messe
- Einmal im Jahr im Labor, zusammen mit dem Blutbild
- Guide
- ApoB senken
Lipoprotein(a)
Zu über 90 Prozent genetisch festgelegt, bei jedem Fünften erhöht, durch Lebensstil kaum zu ändern. Einmal im Leben messen reicht, rund 17 Euro als Selbstzahler.
- Ziel
- Unter 30 mg/dl nicht erhöht, über 50 erhöht; dann LDL, Blutdruck und Rauchen umso konsequenter angehen
- Wie ich messe
- Einmal gemessen, Wert kennen, Familie testen lassen
- Guide
- Lipoprotein(a): Normwerte und Risiko
hs-CRP
Der empfindliche Entzündungsmarker. Unter 1 mg/l niedrig, 1 bis 3 mittel, über 3 hoch. Ohne Infekt messen, im Zweifel zweimal. Zehn Kilo weniger entsprechen gut 1 mg/l.
- Ziel
- Unter 1 mg/l
- Wie ich messe
- Einmal im Jahr im Labor, nie während einer Erkältung
- Guide
- Entzündungswerte im Blut
Griffkraft und Einbeinstand
Kraft sinkt im Alter etwa dreimal schneller als Muskelmasse und sagt mehr über die Sterblichkeit als die Waage. Wer mit 51 bis 75 keine 10 Sekunden auf einem Bein steht, hat in sieben Jahren ein 84 Prozent höheres Sterberisiko (Araujo 2022).
- Ziel
- Griffkraft über der Risikoschwelle der Altersgruppe (Männer 40 bis 44: 44 kg, Mittel 53 kg), Einbeinstand über 30 Sekunden
- Wie ich messe
- Dynamometer für 30 Euro, Einbeinstand beim Zähneputzen, Krafttests im Training
- Guide
- Gleichgewicht trainieren und Kraft oder Muskelmasse
Schlaf
7 bis 8 Stunden, das niedrigste Risiko liegt bei 7. Der Tracker liefert Dauer, Ruhepuls und HRV; der Score ist ein Trendwert, keine Note. Wer wegen der Zahl schlechter schläft, hat Orthosomnie, dann Ring ab.
- Ziel
- 7 bis 8 Stunden, gleicher Aufstehzeitpunkt, Score-Trend stabil
- Wie ich messe
- Oura-Ring, Wochenmittel; Einzelnächte ignoriere ich
- Guide
- Schlaftracker im Vergleich
Ehrlich gesagt
Nicht perfekt.
Nur konsequent.
Ich schaffe es nicht, jeden Tag genau diese Routinen durchzuziehen. Das ist auch nicht schlimm. Ich mache das, was sich gut und richtig anfühlt. Neben allem Messen darf man nicht verlernen, auf sein Bauchgefühl zu hören.
Wenn ich mal schlapp bin und keine Motivation fürs Training habe, ist das in Ordnung. Wenn es einen schönen Abend mit Freunden gibt, obwohl ich laut Protokoll längst im Bett sein sollte, ist auch das in Ordnung. Wer versucht, mit Druck und Stress sein Leben zu verlängern, wird scheitern.




Zum Nachlesen
Mein Protokoll im Detail
Was ich nutze, warum ich es nutze und was ich wieder gestrichen habe. Jeder Punkt verlinkt den Guide mit den Studien. Aufklappen, was dich interessiert.
01SchlafDauer, Aufstehzeit, Temperatur, Oura-Ring, Blaulichtfilter, Kopfkissen, was ich gestrichen habe
Dauer und feste Aufstehzeit
7 bis 8 Stunden. Unter 7 steigt das Sterberisiko in den großen Kohorten um 12 Prozent, über 8 bis 9 um 30 Prozent (Cappuccio 2010, 1,3 Millionen Menschen). Wichtiger als die Schlafenszeit ist die feste Aufstehzeit: bei mir 6 Uhr, auch am Wochenende, danach 10 Minuten Tageslicht. Der Rest steht im Guide Besser schlafen: die 12 Hebel.
Schlafzimmer 18 bis 20 Grad
Der Oura-Ring zeigt mir jedes Jahr dasselbe: Sobald es wärmer wird, schlafe ich schlechter. Optimal sind 18 bis 20 Grad. Für den Sommer habe ich zwei Kühlsysteme getestet, den Bedjet 3 über 60 Nächte und den Sleepme Cube über 25. Mein Schlafscore stieg von etwa 80 auf über 85, trotzdem gingen beide zurück: zu laut, zu teuer für den Effekt. Eight Sleep habe ich nicht selbst getestet. Meist reichen die Grundlagen unter 50 Euro; den Vergleich der Geräte findest du unter Eight Sleep und die Alternativen.
Oura-Ring
Ich messe meinen Schlaf seit Jahren mit dem Oura-Ring. Er gibt morgens einen Score von 0 bis 100 und misst nachts Ruhepuls, Temperatur und HRV. Ich brauche ihn, um Neues zu prüfen: Verbessert eine Änderung den Wochentrend oder nicht? Die wichtigste Zahl ist die HRV, Einzelnächte ignoriere ich. Welche Tracker taugen, steht im Schlaftracker-Vergleich.
Blaulichtfilterbrille ab 13 Uhr
Ich trage sie seit Jahren ab dem frühen Nachmittag. Ehrlich eingeordnet: Die Studienlage ist unklar, es gibt Studien mit kleiner Verbesserung der Schlafqualität und Studien ohne Effekt, negative Effekte keine. Was sicher wirkt, ist abends das Licht zu dimmen und um 20 Uhr die Bildschirme auszumachen. Die Brille ist für mich die Erinnerung daran.
Kopfkissen
Ich benutze das Kopfkissen von Blackroll. Es ist im Koffer immer dabei, und ich bekomme damit weder Nackenschmerzen noch eingeschlafene Arme. Viele probiert, dieses verbindet Komfort, Transport und Preis am besten.
Gestrichen: Mundpflaster Getestet
Durch das Buch „Breath“ von James Nestor habe ich mit der Nasenatmung angefangen und nachts wochenlang den Mund zugeklebt. Ergebnis: kein Unterschied beim Aufwachen, keiner im Oura-Score. Die Evidenz ist dünn, eine einzige Studie mit 20 Mundatmern. Heute trainiere ich die Nasenatmung tagsüber und lasse das Pflaster weg. Warum, steht unter Mouth Taping.



02ErnährungWasser, Qualitarier, 16:8, die täglichen 10, Protein und Post-Workout
Wasser
„Ohne Sprudel schmeckt Wasser doch gar nicht.“ Das war lange meine Meinung. Seit etwa zwei Jahren trinke ich nur noch stilles Leitungswasser. Es heißt, Leitungswasser sei das am besten kontrollierte Lebensmittel; die berechtigte Frage ist, worauf es kontrolliert wird und worauf nicht. Deshalb haben wir einen Aktivkohlefilter gekauft. Ein Longevity-Hebel ist das nicht, eine Geschmacksfrage schon.
Qualitarier
Acht Jahre war ich Vegetarier. Heute nenne ich mich Qualitarier, von Qualität: Ich esse das für die jeweilige Situation bestmögliche Lebensmittel. Bin ich in einem Land, Restaurant oder auf einer Feier mit viel Fleisch und die Alternative wäre nur Salat, wähle ich das Fleischgericht. Zu Hause esse ich zu 90 Prozent pflanzlich, nah an der Mittelmeerdiät.
16:8
Heilfasten, Basenfasten, Eiweißfasten: Ich habe viele Methoden ausprobiert. Geblieben ist 16:8, die alltagstauglichste Variante mit der besten Datenlage. Mein Essensfenster geht von etwa 12 bis 20 Uhr, die erste Mahlzeit kommt nach dem Training. Beim Menschen belegt sind Gewicht, Blutzucker und Blutdruck, ein längeres Leben bisher nur bei Mäusen. 5:2 und Alternate-Day-Fasting bringen bei gleichen Kalorien nichts zusätzlich, und eine Mahlzeit am Tag kostet Muskelmasse. Details im Guide Intervallfasten und Longevity.
Die täglichen 10
Frag zehn Menschen, was gesunde Ernährung ist, und du bekommst zehn Antworten. Das Buch „How Not to Die“ hat mir die Augen geöffnet: Es behandelt die 15 häufigsten Todesursachen der westlichen Welt und wie Ernährung ihnen vorbeugt. Aus dem täglichen Dutzend des Autors habe ich meine täglichen 10 gemacht, weil Wasser trinken und Bewegung bei mir ohnehin gesetzt sind:
- Nüsse
- Leinsamen
- Beeren
- Anderes Obst
- Kreuzblütlergemüse
- Vollkorn
- Blattgemüse
- Anderes Gemüse
- Bohnen, Hülsenfrüchte, Samen
- Gewürze
Protein und Post-Workout
Mit Krafttraining ziele ich auf 1,6 bis 1,8 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht, verteilt auf drei bis vier Mahlzeiten mit je 25 bis 30 g. Da ich fast kein Fleisch esse, hilft ein Shake nach dem Training: 30 g Protein, vegan oder Whey, plus 5 g Kreatin, innerhalb von ein bis zwei Stunden. Die 50-g-Shakes mit Glutamin von früher habe ich gestrichen: Mehr als 30 g pro Portion bringt nichts, und für Glutamin fehlt der Beleg. Bedarf und Timing stehen im Guide Protein ab 50.



03BewegungKrafttraining, Zone 2 und Intervalle, Balance, Mobility
Krafttraining
Seit ich mit 14 einem Ruderclub beigetreten bin, mache ich Krafttraining. Es ist eines der besten Mittel, um Lebens- und Gesundheitsspanne zu verlängern. Heute reichen mir zwei bis drei Ganzkörpereinheiten pro Woche mit 45 Minuten: vier bis sechs Grundübungen, zwei bis vier Sätze mit sechs bis zwölf Wiederholungen, 48 Stunden Pause pro Muskelgruppe. Das Ziel ist Kraft, nicht die Waage: Kraft sinkt im Alter etwa dreimal schneller als Muskelmasse und sagt mehr über die Sterblichkeit. Programm und Studien im Krafttraining-Guide.
Zone 2 und Intervalle
Ehrlich: Ein Fan von Ausdauertraining war ich lange nicht. 2019 lief ich meinen ersten Halbmarathon und hatte danach erst einmal genug. 2021 begann ich mit Sprinttraining, 2022 lief ich einen lokalen 10-Kilometer-Wettkampf und merkte, dass mir kürzere Distanzen und der Wettkampfgedanke liegen. 2024 folgte der München-Marathon, vorbereitet mit vier Cardioeinheiten pro Woche. Im Normalbetrieb sind es drei Zone-2-Einheiten mit 45 Minuten bei 60 bis 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz, also rund 150 Minuten, plus eine Intervalleinheit. Das trainiert die VO2max, den stärksten Prädiktor für ein langes Leben. Guides: Zone-2-Training und VO2max verbessern.
Balance
In der Uni wurde uns der typische Weg erklärt, auf dem alte Menschen in Deutschland sterben: Im Winter rutscht die Oma aus, bricht sich den Oberschenkelhals, liegt Wochen im Krankenhaus, baut mental und körperlich ab, bekommt vom Liegen eine Lungenentzündung und stirbt an deren Folgen. Stürze sind die häufigste Unfallursache über 65, jeder Dritte stürzt jährlich. Man muss nicht warten, bis man alt ist: Balance gehört bei mir in das morgendliche Mini-Workout, wenige Minuten, ohne Gerät, plus Einbeinstand beim Zähneputzen, eine Minute je Seite. Mein Balance-Board ist Stufe 3, kein Einstieg. Der 8-Wochen-Plan steht im Guide Gleichgewicht trainieren.
Mobility
Mobility, Stretching, Dehnen: Für mich ist das eine Einheit. Jeden Morgen 10 Minuten aktive Mobility für Hüfte, Schultern und Wirbelsäule, weil ich im Nacken sehr steif bin. Nach dem Kraft- oder Ausdauertraining folgen 10 Minuten statisches Dehnen, dabei übe ich Front- und Seitspagat. Es ist ein weiterer Weg als gedacht. Die Routine: 10 Minuten Mobility.



04MindsetAtmung, Kälte, Dankbarkeit, Lachen, neun Prinzipien, Hund
Atmung
Ich dachte immer, ich bekomme wenig Luft durch die Nase. „Breath“ von James Nestor hat mich eines Besseren belehrt, seitdem atme ich bewusst durch die Nase. Morgens mache ich 5 Minuten Resonanzatmung mit der App Prana Breath: 5,5 Sekunden ein, 5,5 Sekunden aus, also fünf bis sechs Atemzüge pro Minute. Das hebt die HRV akut um 5 bis 15 Prozent und ist der direkteste Weg zum Vagusnerv. Abends vor dem Einschlafen vier Zyklen 4-7-8: vier Sekunden durch die Nase ein, sieben halten, acht durch den Mund aus. Mehr im Guide Atemübungen.
Kältetherapie
Das Thema polarisiert, deshalb klar: Kalt duschen und Eisbaden verbessern Stimmung und Stressresistenz zuverlässig, für ein längeres Leben gibt es bisher keinen Beleg. Im Frühjahr, Sommer und Herbst dusche ich kalt. Im Winter haben wir eine Regentonne zum Eisbad umfunktioniert, das nutze ich zwei- bis viermal pro Woche, drei bis fünf Minuten, nach dem Krafttraining mit mindestens vier Stunden Abstand. Spannend ist für mich weniger die körperliche als die mentale Reaktion: Es kostet jedes Mal Überwindung, danach fühlst du dich klar und erfrischt. Studien und Tabus im Guide Kältetherapie.
Dankbarkeit und Lachen
Abends nennen meine Frau und ich uns drei Dinge, für die wir dankbar sind. Zwei Minuten, keine App. Und auf meiner To-do-Liste steht tatsächlich der Punkt Lachen, ein ehrliches, tiefes Lachen, am besten nicht allein. Meist nehme ich mir vor, jemand anderen zum Lachen zu bringen, dann lache ich selbst am meisten. Starke Beziehungen erhöhen die Überlebenswahrscheinlichkeit um 50 Prozent (Holt-Lunstad 2010, 148 Studien). Mehr unter Stress und Longevity.
Innere Einstellung
Ein riesiger Begriff, aber er trifft es. Im Laufe meines Lebens habe ich mir ein paar Prinzipien zu eigen gemacht, aus eigener Erfahrung oder von anderen:
- Lass nicht zu, dass dein Stolz dir in die Quere kommt
- Angenehm anders als andere
- Hartnäckige Höflichkeit hilft
- Keine Erwartungen an Ereignisse
- Pura Vida: genieße das Leben
- Dankbar sein für das, was man hat
- Planung ist das halbe Leben
- Nimm dich selbst nicht zu wichtig
- Kümmere dich um andere
Hund
Wie jedes Kind wollte ich einen Hund. Stattdessen gab es bei uns Hühner, Enten, Hasen, Hamster, Meerschweinchen und eine Katze. Der Wunsch blieb. 2021 passten die Rahmenbedingungen, und Labrador Rocco kam als neun Wochen alter Welpe zu meiner Frau und mir. Ein Hund sorgt dafür, dass ich jeden Tag rausgehe, senkt nachweislich das Stresslevel und lehrt Verantwortung. Ein großer Hund ist eben etwas anderes als ein Meerschweinchen, auch wenn er einen manchmal zur Weißglut bringt.



05Vorsorge und BiomarkerCheck-up 35, Selbstzahler-Werte, Fitness-Tests, Vorsorgetermine, das Bauchgefühl
Check-up 35 plus vier Werte
Die Kasse zahlt ab 35 alle drei Jahre Blutdruck, Cholesterin, Triglyzeride, Nüchternglukose und Urin. Ein Blutbild ist nicht dabei. Ich lasse deshalb einmal im Jahr die Werte dazunehmen, die Krankheit und Sterblichkeit wirklich vorhersagen: ApoB (rund 12 Euro), HbA1c (rund 12 Euro), hs-CRP und einmal im Leben Lipoprotein(a) (rund 17 Euro). Dazu am Winterende Vitamin D und den Omega-3-Index, damit die Supplemente einen Grund haben. Was du beim Check-up sagen musst, steht im Guide Check-up 35.
Fitness-Tests ohne Labor
Einbeinstand beim Zähneputzen, Griffkraft mit einem Dynamometer für 30 Euro, VO2max per 12-Minuten-Lauf, Taillenumfang, Ruhepuls und HRV vom Ring. Das sind die Werte, die ich alle drei Monate anschaue. Wie sie zusammen ein Bild ergeben, erklärt der Guide Biologisches Alter testen.
Vorsorgetermine
Hautkrebs-Screening (die Kasse zahlt ab 35 alle zwei Jahre), Zahnarzt halbjährlich, Hörtest und Augencheck, weil unbehandelter Hörverlust einer der größten vermeidbaren Demenz-Faktoren ist, Urologe, ab 50 die Darmkrebsvorsorge. Alles steht im Kalender, nicht im Kopf. Warum Hören und Sehen zur Vorsorge gehören: Demenz vorbeugen.
Das Bauchgefühl
Was wäre ein Longevity-Blog ohne die eigene Strategie? Mein Protokoll ist nicht in Stein gemeißelt. Jede Woche finde ich Neues heraus und passe Routinen an. Ich schaffe es nicht, jeden Tag alles umzusetzen, und das ist in Ordnung. Neben allem Messen darf man nicht verlernen, auf den Körper zu hören. Wer versucht, mit Druck und Stress sein Leben zu verlängern, wird scheitern.



06SupplementeVitamin D, Kreatin, Omega-3, Magnesium, was ich gestrichen habe
Vitamin D
61,6 Prozent der Deutschen liegen unter 20 ng/ml. Von Oktober bis März nehme ich 1.000 bis 2.000 IE Vitamin D3 täglich als Tropfen in Öl, weil es fettlöslich ist. Ziel sind 20 bis 40 ng/ml, mehr bringt nichts. Im Sommer reicht die Mittagssonne auf unbedeckten Armen. Dosierung, K2-Frage und Messung im Guide Vitamin D3 und K2.
Kreatin
Lange war Kreatin für mich ein reines Kraftsport-Supplement. Es ist eines der am besten untersuchten Mittel überhaupt: Mit Krafttraining plus 1,37 kg fettfreie Masse und mehr Kraft bei 57- bis 70-Jährigen (Chilibeck 2017, 22 Studien), dazu ein besseres Kurzzeitgedächtnis, besonders bei Schlafmangel. Ich nehme 5 g Monohydrat täglich, ohne Ladephase; nach drei bis vier Wochen sind die Speicher voll. Ohne Training wirkt es kaum. Guide: Kreatin und Longevity.
Omega-3
Zweimal pro Woche fetter Fisch oder 1 bis 2 g EPA und DHA am Tag, Ziel ist ein Omega-3-Index von 8 bis 11 Prozent. Die ehrliche Bilanz: In der VITAL-Studie mit 25.871 Personen sanken schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse insgesamt nicht, Herzinfarkte aber um 28 Prozent, und Entzündungswerte wie CRP gehen messbar runter. Deshalb bleibt es im Stack, und ich messe den Index statt zu raten. Guide: Omega-3.
Magnesium
300 bis 400 mg als Citrat oder Glycinat an harten Trainingstagen und in Phasen mit Krämpfen. Wer viel Gemüse, Nüsse und Vollkorn isst, braucht es meist nicht; der Serumwert im Blut sagt dazu wenig. Welche Form für welchen Zweck: Magnesium-Arten im Vergleich.
Gestrichen: Multivitamin und Zink Gestrichen
Über 20 Jahre und 390.000 Menschen hinweg ist ein Multivitamin nicht mit einer geringeren Sterblichkeit verbunden (Loftfield 2024). Zink nehme ich nicht mehr pauschal: ohne nachgewiesenen Mangel fehlt der Grund. Die Regel dahinter: erst messen, dann ergänzen, und nur, was das Blutbild oder ein klares Symptom verlangt. Das Ranking aller Stoffe steht im Guide Longevity-Supplemente.
Protein
Kein Supplement im eigentlichen Sinn, aber in meiner Küche: Proteinpulver, vegan oder Whey, um auf 1,6 bis 1,8 g pro Kilo zu kommen. Mehr dazu unter Ernährung.



Außerhalb des Blogs
Wo du mich sonst noch hörst und liest
Interview in „Besondere Zeiten“
WDR-5-Folge in der ARD Audiothek über Longevity und die neue Sehnsucht nach Langlebigkeit, mit einer Ärztin und einer Longevity-Trainerin.
Zum InterviewPorträt: Länger leben durch Selbstoptimierung?
Das Magazin des Sankt Michaelsbunds hat meinen Alltag zwischen Protokoll und Bauchgefühl porträtiert, März 2025.
Artikel lesenAusführliche Folgen mit Quellen
Studien, Zahlen und ein machbarer nächster Schritt, jede Folge auf dem Kanal @beyond100official.
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