#108 – Chronische Entzündungen
Dein heutiges Gesundheits-Upgrade
- Longevity Highlight der Woche
- Was sind chronische Entzündungen?
- Entzündungen erkennen und behandlen
- Challenge der Woche – Körpercheck
- Zitat der Woche
Longevity Highlight der Woche

Letzte Woche durfte ich Teil eines Beitrags des Bayerischen Rundfunks sein – und zwar in der Sendung „Gesundheit!“. Darin geht es um eine Frage, die aktuell viele Menschen beschäftigt: Können Wearables, Apps und KI uns dabei helfen, gesünder zu leben – oder vielleicht sogar länger? Immer mehr Menschen tragen Smartwatches oder Fitnesstracker und behalten so ihre Bewegung, ihren Schlaf oder ihre Herzfrequenz im Blick. Andere tracken ihre Ernährung oder analysieren Gesundheitsdaten über verschiedene Apps. Die Idee dahinter: Wenn wir mehr über unseren Körper wissen, können wir auch bessere Entscheidungen für unsere Gesundheit treffen.
Reporterin Viola ist dieser Frage nachgegangen und hat sogar mit einer gestützten App ihr statistisches Sterbedatum berechnen lassen. In diesem Zusammenhang hat sie mich besucht und ich durfte ihr einen Einblick in meinen persönlichen Longevity-Alltag geben: Welche Daten ich tracke, wie ich sie nutze und welche Rolle solche Informationen künftig auch in der medizinischen Diagnostik spielen könnten.
Wenn du neugierig bist, schau gerne in den Beitrag rein. Ab Minute 20 geht es los – und dort bekommst du einen kleinen Einblick in meinen Alltag rund um Longevity, Selbsttracking und datenbasierte Gesundheit.
Was sind chronische Entzündungen?

Erstellt mithilfe von KI
Entzündungen haben eigentlich einen guten Ruf – zumindest kurzfristig. Wenn du dich schneidest oder eine Infektion hast, reagiert dein Immunsystem mit einer Entzündung. Rötung, Wärme, Schwellung. Der Körper repariert den Schaden. Problem gelöst. Zumindest im Idealfall.
Bei chronischen Entzündungen läuft dieser Prozess jedoch dauerhaft weiter. Das Immunsystem bleibt in Alarmbereitschaft, obwohl kein akuter Schaden mehr vorliegt. Man kann sich das wie einen Schwelbrand im Körper vorstellen: Er ist nicht spektakulär wie ein großes Feuer – aber er brennt ständig weiter. Solche Entzündungen können über Monate oder sogar Jahre bestehen bleiben. Dabei werden dauerhaft entzündungsfördernde Botenstoffe ausgeschüttet, die Gewebe und Organe schädigen können.
Wie entstehen chronische Entzündungen?
Chronische Entzündungen können aus verschiedenen Gründen entstehen. Häufig beginnt alles mit einer eigentlich sinnvollen Immunreaktion. Wenn diese Reaktion jedoch nicht mehr richtig reguliert wird, bleibt das Immunsystem dauerhaft aktiv. Typische Auslöser sind beispielsweise:
anhaltender Stress
Infektionen, die nicht vollständig ausheilen
Autoimmunreaktionen
Umweltfaktoren oder Stoffwechselprobleme
Mit zunehmendem Alter treten solche niedriggradigen Entzündungsprozesse zudem häufiger auf. Wissenschaftler vermuten, dass sie eine wichtige Rolle bei vielen altersbedingten Krankheiten spielen.
Beispiele für chronisch entzündliche Erkrankungen
Chronische Entzündungen sind nicht nur ein abstraktes Konzept aus der Forschung – sie stehen hinter einer ganzen Reihe bekannter Erkrankungen. Dazu gehören zum Beispiel:
Rheumatoide Arthritis (chronische Entzündung der Gelenke)
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa (chronische Darmentzündungen)
Psoriasis (Schuppenflechte)
Multiple Sklerose
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
Bei all diesen Krankheiten bleibt das Immunsystem dauerhaft aktiv und greift körpereigenes Gewebe an.
Welche Auswirkungen haben sie?
Das Problem: Chronische Entzündungen bleiben oft lange unbemerkt. Anders als bei akuten Entzündungen gibt es häufig keine klaren Warnsignale wie Fieber oder starke Schmerzen. Stattdessen zeigen sich Symptome wie:
anhaltende Müdigkeit
Konzentrationsprobleme
erhöhte Infektanfälligkeit
Schlafprobleme
diffuse Schmerzen im Körper
Warum sind sie so problematisch?
Chronische Entzündungen gelten heute als eine der zentralen Ursachen vieler moderner Zivilisationskrankheiten. Sie stehen unter anderem im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2, Krebs, neurodegenerativen Erkrankungen oder chronischen Atemwegserkrankungen.
Das Gefährliche daran: Der Schaden entsteht schleichend und über viele Jahre. Während der Körper dauerhaft versucht, eine vermeintliche Bedrohung zu bekämpfen, greift er gleichzeitig immer mehr eigene Strukturen an.
Chronische Entzündungen erkennen und behandeln
Chronische Entzündungen sind tückisch. Sie verursachen oft lange keine klaren Beschwerden und laufen im Hintergrund weiter. Deshalb ist der erste Schritt: Messen statt raten.
Ein wichtiger Ansatzpunkt sind Bluttests, die Entzündungsmarker im Körper sichtbar machen. Zu den wichtigsten gehören:
CRP (C-reaktives Protein) – ein zentraler Marker für Entzündungsprozesse im Körper
hs-CRP – eine sensitivere Variante, die auch niedriggradige Entzündungen erkennt
Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) – zeigt an, ob im Körper entzündliche Prozesse stattfinden
Interleukin-6 (IL-6) – ein entzündungsfördernder Botenstoff
TNF-alpha – ein weiterer wichtiger Entzündungsmarker aus dem Immunsystem
Auch indirekte Marker können Hinweise geben, zum Beispiel Nüchternblutzucker, Insulin, Ferritin oder bestimmte Leberwerte, da Stoffwechselstörungen häufig mit chronischen Entzündungen zusammenhängen.
Neben Bluttests können auch Stuhltests (z. B. Calprotectin) Hinweise auf entzündliche Prozesse im Darm liefern. In bestimmten Fällen werden zusätzlich Bildgebungsverfahren wie Ultraschall oder MRT eingesetzt, um entzündete Gewebe sichtbar zu machen.
Wenn chronische Entzündungen festgestellt werden, liegt der Fokus auf der Reduktion der entzündlichen Aktivität im Körper. Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle:
entzündungsarme Ernährung
regelmäßige Bewegung
ausreichend Schlaf
Stressreduktion
Behandlung zugrunde liegender Erkrankungen
In manchen Fällen kommen zusätzlich medizinische Therapien oder entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz, insbesondere bei Autoimmunerkrankungen. Chronische Entzündungen sind kein Schicksal, das man einfach hinnehmen muss. Wenn man sie erkennt, kann man gezielt gegensteuern.
Challenge der Woche – Körpercheck
Da ist dieses kleine Ziehen im Rücken. Ständige Müdigkeit. Verdauung, die irgendwie „nicht ganz rund“ läuft. Oder dieses diffuse Gefühl: Irgendwas stimmt da nicht ganz.
Aber weil es nicht schlimm genug ist, um sofort zum Arzt zu rennen, schieben wir es monatelang – manchmal jahrelang – vor uns her. Klassiker.
Die Challenge für diese Woche ist simpel:
Nimm dir 10 Minuten Zeit
Geh einmal gedanklich deinen Körper durch
Gibt es Symptome, die schon länger da sind?
Gibt es Stellen, bei denen du immer wieder denkst: Das sollte ich eigentlich mal checken lassen?
Falls ja – Arzttermin ausmachen
Wenn dir dabei etwas einfällt, nutze diesen Moment als kleinen Reminder. Vereinbare einen Termin und lass es abklären. Nicht aus Angst. Sondern aus Verantwortung für deinen Körper.
Dein Körper sendet ständig Signale. Die Frage ist nur: Hörst du hin?
Zitat der Woche
„Your body hears everything your mind says.“ – Naomi Judd