Vorhofflimmern: Ursachen, Symptome und was dein Risiko senkt
Was beim Vorhofflimmern im Herzen passiert, warum daraus Schlaganfälle werden, welche Ursachen du selbst in der Hand hast, welche Symptome zum Arzt gehören und wie du es früh bemerkst.

Kurz gesagt
Mehr als jeder Dritte bekommt ab 55 irgendwann Vorhofflimmern. Mehr als die Hälfte der Fälle geht auf Risikofaktoren zurück, die du beeinflussen kannst.
- Das Lebenszeitrisiko ab 55 liegt bei 37 Prozent, mit durchweg optimalen Werten bei 23 Prozent (Staerk 2018). 56,5 Prozent der Fälle lassen sich auf nicht optimale Risikofaktoren zurückführen, an erster Stelle den Blutdruck (Huxley 2011).
- Die größten Hebel sind Blutdruck, Alkohol, Gewicht und Bewegung. Schon ein Drink am Tag hängt mit 16 Prozent mehr Risiko zusammen (Csengeri 2021), ein Blutdruckziel unter 120 senkte es in einer randomisierten Studie um 26 Prozent (Soliman 2020).
- 10 bis 40 Prozent der Betroffenen spüren nichts (Ko 2025). Taste deinen Puls eine Minute lang und achte auf Unregelmäßigkeit. Stolpert er ohne Muster, gehört das per EKG abgeklärt.
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Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung, und sie trifft nicht nur Menschen, die schon herzkrank sind. Wer mit 55 noch kein Vorhofflimmern hat, bekommt es mit einer Wahrscheinlichkeit von 37 Prozent im weiteren Leben (Staerk 2018). Die wichtigste Nachricht steckt in den Ursachen: Mehr als die Hälfte der Fälle hängt an Faktoren, die du beeinflussen kannst (Huxley 2011). Dieser Guide erklärt, was beim Vorhofflimmern im Herzen passiert, welche Ursachen und Risikofaktoren dahinterstehen, welche Symptome zum Arzt gehören und was dein Risiko nachweislich senkt.
Ein Hinweis vorab: Dieser Text richtet sich an Gesunde, die vorbeugen wollen. Diagnose und Behandlung gehören in die Hand von Hausarzt oder Kardiologin. Wenn du gerade Herzrasen, Brustschmerz oder Luftnot hast, lies nicht weiter, sondern ruf den Notruf 112.
Was ist Vorhofflimmern?
Beim Vorhofflimmern schlagen die beiden Vorhöfe des Herzens nicht mehr im Takt, sondern zucken ungeordnet und sehr schnell. Normalerweise gibt der Sinusknoten, der natürliche Taktgeber im rechten Vorhof, jeden Herzschlag vor. Beim Flimmern feuern stattdessen viele Stellen im Vorhofgewebe gleichzeitig. Die Vorhöfe ziehen sich nicht mehr kräftig zusammen, und die Herzkammern bekommen die Signale unregelmäßig weitergeleitet. Das Ergebnis ist ein Puls, der ohne erkennbares Muster stolpert, oft zu schnell.
Ärzte unterscheiden nach der Dauer. Anfallsartiges (paroxysmales) Vorhofflimmern hört innerhalb von höchstens sieben Tagen von selbst auf, anhaltendes (persistierendes) dauert länger, und beim permanenten Vorhofflimmern bleibt der Rhythmus dauerhaft gestört (Ko 2025). Die US-Leitlinie von 2023 beschreibt außerdem eine Vorstufe: Wer Risikofaktoren wie Übergewicht oder Bluthochdruck hat, steht schon im Stadium 1, „gefährdet“, und für dieses Stadium wird bereits die Arbeit an den Risikofaktoren empfohlen (Ko 2025). Vorbeugung beginnt also nicht erst nach der Diagnose.
Warum aus Flimmern ein Schlaganfall wird
Das eigentliche Problem ist nicht das Stolpern, sondern das Blut, das im Vorhof stehen bleibt. Weil sich der flimmernde Vorhof kaum noch zusammenzieht, fließt das Blut dort langsamer, und es können sich Gerinnsel bilden. Fast immer entstehen sie im linken Vorhofohr, einer kleinen Ausstülpung des linken Vorhofs: Bei Vorhofflimmern ohne Herzklappenerkrankung lagen 91 Prozent der gefundenen Gerinnsel dort oder gingen von dort aus (Blackshear 1996). Löst sich ein Gerinnsel, wandert es mit dem Blutstrom und kann eine Hirnarterie verschließen.
In der Framingham-Studie mit 5.070 Teilnehmern über 34 Jahre war das Schlaganfallrisiko mit Vorhofflimmern fast fünfmal so hoch wie ohne (Wolf 1991). Der Anteil der Schlaganfälle, der auf Vorhofflimmern zurückgeht, wächst mit dem Alter: von 1,5 Prozent bei 50- bis 59-Jährigen auf 23,5 Prozent bei 80- bis 89-Jährigen (Wolf 1991). Neben dem Schlaganfall hängt Vorhofflimmern mit Herzschwäche, Herzinfarkt, Demenz und chronischer Nierenerkrankung zusammen (Ko 2025). Wie du dein Schlaganfallrisiko insgesamt senkst, steht im Guide zum Schlaganfall vermeiden.
Wie häufig ist Vorhofflimmern?
In den Abrechnungsdaten von 8,3 Millionen gesetzlich Versicherten hatten 2,1 Prozent die Diagnose Vorhofflimmern, im Mittel waren die Betroffenen 73 Jahre alt (Wilke 2013). Auf Deutschland übertragen sind das grob überschlagen deutlich über eine Million Menschen. In den USA sind es rund 10,55 Millionen Erwachsene (Ko 2025). Und die Zahlen steigen: In Framingham hat sich die altersbereinigte Häufigkeit zwischen den 1960er-Jahren und 2007 vervierfacht, wobei die Autoren einen Teil davon der besseren Erkennung zuschreiben (Schnabel 2015). Mehr Ältere, mehr Übergewicht, mehr Bluthochdruck und mehr EKGs erklären zusammen, warum heute so viele Menschen davon hören.
Vorhofflimmern Ursachen: die Risikofaktoren
Vorhofflimmern hat selten eine einzige Ursache. Meist bauen mehrere Faktoren das Vorhofgewebe über Jahre um: Es wird gedehnt, vernarbt und leitet Signale schlechter. Irgendwann reicht ein Auslöser, und das Flimmern beginnt. Die Risikofaktoren lassen sich in zwei Gruppen teilen.
Was du nicht ändern kannst: Das Alter ist der stärkste Faktor. Männer erkranken häufiger als Frauen, in den deutschen Versichertendaten waren 55,5 Prozent der Betroffenen Männer (Wilke 2013). Dazu kommen Veranlagung und bestehende Herzerkrankungen wie Herzschwäche, ein früherer Herzinfarkt oder Herzklappenfehler (Staerk 2018).
Was du beeinflussen kannst: Wie groß dieser Teil ist, zeigt die ARIC-Studie mit 14.598 Menschen mittleren Alters über 17 Jahre. 56,5 Prozent aller Fälle von Vorhofflimmern ließen sich auf mindestens einen grenzwertigen oder erhöhten Risikofaktor zurückführen, also Blutdruck, Gewicht, Diabetes, Rauchen oder eine vorbestehende Herzerkrankung. Der wichtigste einzelne Beitrag kam vom erhöhten Blutdruck (Huxley 2011). Die Framingham-Daten zeigen dasselbe aus der anderen Richtung: Wer mit 55 in allen Risikofaktoren optimal lag, hatte ein Lebenszeitrisiko von 23 Prozent, wer mindestens einen erhöhten Wert hatte, 38 Prozent (Staerk 2018).
- Bluthochdruck. Der wichtigste beeinflussbare Faktor (Huxley 2011). Dauerhaft hoher Druck dehnt den linken Vorhof. Wie du deine Werte senkst, steht im Guide Bluthochdruck natürlich senken.
- Übergewicht und Bauchfett. In 25 Studien mit über 2,4 Millionen Teilnehmern stieg das Risiko pro 5 BMI-Punkte um 28 Prozent und pro 10 Zentimeter Taillenumfang um 18 Prozent. Erhöht war es schon bei einem BMI von 22 bis 24 im Vergleich zu 20 (Aune 2017).
- Alkohol. In europäischen Kohorten mit 107.845 Menschen hing schon ein Drink pro Tag (12 Gramm Alkohol) mit 16 Prozent mehr Vorhofflimmern zusammen, egal ob Bier, Wein oder Schnaps (Csengeri 2021). Anders als bei der Herzschwäche gab es keine Menge, die schützte.
- Bewegungsmangel. Wer überwiegend sitzt, hatte in einer Meta-Analyse ein 2,5-fach erhöhtes Risiko (Mohanty 2016).
- Schlafapnoe. Atemaussetzer im Schlaf und der dabei fallende Sauerstoff belasten das Herz. Bei 3.542 Menschen aus dem Schlaflabor verdoppelte eine Schlafapnoe in der einfachen Auswertung das Risiko ungefähr, und unter 65 waren Übergewicht und das Ausmaß des nächtlichen Sauerstoffabfalls eigenständige Risikofaktoren (Gami 2007). Lautes Schnarchen mit Atempausen und starke Tagesmüdigkeit sind ein Grund, das im Schlaflabor prüfen zu lassen.
- Diabetes und Rauchen. Beide gehören zu den Faktoren, die in ARIC und Framingham das Risiko erhöhten (Huxley 2011, Staerk 2018).
- Jahrzehnte Ausdauer-Extremsport. Ein Sonderfall, mehr dazu unten im Abschnitt Bewegung.
Und Kaffee? Die Sorge hält sich hartnäckig, ist aber nicht belegt. Die Leitlinien sehen keinen Grund, zur Vorbeugung von Vorhofflimmern auf Koffein zu verzichten, außer jemand merkt, dass Kaffee bei ihm Anfälle auslöst (Gawałko 2024). Was große Studien sonst über Kaffee zeigen, steht im Guide Ist Kaffee gesund?.
Vorhofflimmern Symptome und wann du zum Arzt gehst
Typische Symptome sind Herzstolpern oder Herzrasen, Luftnot, Druck oder Schmerz in der Brust, Schwindel bis kurz vor der Ohnmacht, eine nachlassende Belastbarkeit und Müdigkeit (Ko 2025). Viele beschreiben das Gefühl, das Herz schlage „wie ein Sack Flöhe“ oder setze immer wieder aus.
Das Tückische: 10 bis 40 Prozent der Menschen mit Vorhofflimmern spüren überhaupt nichts (Ko 2025). Bei ihnen fällt es zufällig auf, beim EKG vor einer Operation, beim Blutdruckmessen mit einem Gerät, das Unregelmäßigkeit anzeigt, oder durch eine Warnung der Smartwatch. Manchmal ist der erste Hinweis ein Schlaganfall. Genau deshalb lohnt es sich, nicht auf Beschwerden zu warten.
So ordnest du ein, was du bemerkst:
- Sofort Notruf 112: Herzrasen mit Brustschmerz, starker Luftnot oder Ohnmacht. Ebenso jedes Zeichen eines Schlaganfalls: hängender Mundwinkel, ein Arm, der absinkt, verwaschene Sprache, plötzliche Sehstörung. Hier zählt jede Minute.
- Zeitnah zum Hausarzt, am besten während der Beschwerden: Herzstolpern, das immer wieder kommt, ein Puls, der beim Zählen ohne Muster stolpert, oder eine Smartwatch-Warnung wegen unregelmäßigen Rhythmus. Ein Ruhe-EKG während der Episode ist der schnellste Weg zur Diagnose, sonst ein Langzeit-EKG. Bei Beschwerden ist beides Kassenleistung.
- Kein Grund zur Sorge, aber ansprechen: einzelne Extraschläge, die sich wie ein kurzes Stolpern mit anschließendem kräftigen Schlag anfühlen und dann wieder in den normalen Takt übergehen. Die sind sehr häufig und meist harmlos. Ob es Extraschläge oder Vorhofflimmern sind, kann aber nur ein EKG sagen.
Warum die Diagnose so wichtig ist: Ob jemand mit Vorhofflimmern einen Blutverdünner braucht, entscheidet der Arzt anhand des persönlichen Schlaganfallrisikos. Bei Menschen mit erhöhtem Risiko senken gerinnungshemmende Medikamente die Schlaganfallrate um 60 bis 80 Prozent (Ko 2025). Diese Schutzwirkung setzt voraus, dass das Flimmern entdeckt wird.
Vorhofflimmern früh erkennen: Puls, EKG, Smartwatch
Puls tasten. Das ist der einfachste Selbstcheck und kostet nichts. Leg Zeige- und Mittelfinger an die Daumenseite deines Handgelenks und zähle eine volle Minute, nicht 15 Sekunden mal vier. Achte dabei weniger auf die Zahl als auf den Rhythmus: Ein gesunder Puls ist regelmäßig wie ein Metronom, auch wenn er beim Einatmen leicht schneller wird. Beim Vorhofflimmern kommen die Schläge mal dicht, mal mit Lücke, ohne dass sich ein Muster wiederholt. Wie du deinen Ruhepuls sonst einordnest, steht im Guide zum Ruhepuls.
EKG. Die Diagnose stellt nur ein EKG, das den unregelmäßigen Rhythmus aufzeichnet, ob in der Praxis, als Langzeit-EKG oder mit einem zugelassenen Einkanal-Gerät (ESC-Leitlinie 2024). Die europäische Leitlinie empfiehlt, bei Menschen ab 65 Jahren bei Arztbesuchen gezielt nach Vorhofflimmern zu suchen (ESC-Leitlinie 2024). Ein systematisches Screening aller 75- und 76-Jährigen in Schweden mit zwei Wochen Kurz-EKGs brachte über knapp sieben Jahre einen kleinen, aber messbaren Vorteil bei Schlaganfällen, Blutungen und Todesfällen zusammen (Svennberg 2021). Der Gesundheits-Check-up der Kassen enthält übrigens kein EKG, du musst es also bei Verdacht aktiv ansprechen.
Smartwatch. Viele Uhren melden einen unregelmäßigen Rhythmus. In der Apple Heart Study mit 419.297 Teilnehmern bekamen nur 0,52 Prozent überhaupt eine Warnung. Wurde danach gleichzeitig mit einer weiteren Warnung ein EKG-Pflaster getragen, zeigte es in 84 Prozent der Fälle tatsächlich Vorhofflimmern (Perez 2019). Bei den Pflastern, die im Mittel erst 13 Tage nach der Warnung aufgeklebt wurden, fand sich in 34 Prozent der Fälle Vorhofflimmern, weil anfallsartiges Flimmern bis dahin oft vorbei war (Perez 2019). Die Studie wurde von Apple finanziert. Für dich heißt das: Eine Warnung ist ein ernstzunehmender Hinweis, aber keine Diagnose. Und keine Warnung heißt nicht, dass alles in Ordnung ist. Eine Uhr musst du dir dafür nicht kaufen, der getastete Puls leistet für den Anfang dasselbe.
Was dein Risiko senkt: Alkohol, Blutdruck, Gewicht, Bewegung
Eine ehrliche Einordnung vorweg: Für Gesunde gibt es zur Vorbeugung von Vorhofflimmern vor allem Beobachtungsdaten. Die stärksten randomisierten Studien wurden an Menschen gemacht, die schon Vorhofflimmern haben, und messen, ob es seltener zurückkommt. Beides zusammen ergibt trotzdem ein klares Bild, weil die Richtung überall dieselbe ist. Und die Leitlinien empfehlen Lebensstil und Risikofaktoren in allen Stadien, auch vor der Diagnose (Ko 2025).
Alkohol: weniger ist hier wirklich besser
Beim Vorhofflimmern gibt es keine gesunde Menge Alkohol. Schon ein Drink pro Tag hing in 107.845 Europäern mit 16 Prozent mehr Risiko zusammen (Csengeri 2021). Akut wirkt Alkohol noch direkter: Auf dem Münchner Oktoberfest bekamen 3.028 Besucher ein Smartphone-EKG und einen Atemalkoholtest. 30,5 Prozent hatten eine Herzrhythmusstörung, die meisten davon ein zu schneller, aber regelmäßiger Herzschlag (25,9 Prozent), andere Störungen wie Vorhofflimmern betrafen 5,4 Prozent. Pro Promille stieg die Wahrscheinlichkeit einer Rhythmusstörung um das 1,75-Fache (Brunner 2017). Ärzte nennen das Muster „Holiday Heart“: Flimmern nach einem Gelage.
Dass Verzicht wirkt, zeigt eine randomisierte Studie mit 140 Menschen, die Vorhofflimmern hatten und mindestens zehn Drinks pro Woche tranken. Die Gruppe, die auf Alkohol verzichtete, senkte ihren Konsum von knapp 17 auf 2 Drinks pro Woche. Nach sechs Monaten war das Flimmern bei 53 Prozent zurückgekehrt, in der Gruppe, die weitertrank, bei 73 Prozent (Voskoboinik 2020). Wie du weniger trinkst, ohne dass es sich nach Verzicht anfühlt, steht im Alkohol-Guide.
Blutdruck: der wichtigste Einzelhebel
Der Blutdruck trägt den größten Teil der vermeidbaren Fälle (Huxley 2011). Wie viel eine konsequente Senkung bringt, zeigt eine Auswertung der SPRINT-Studie mit 8.022 Menschen mit Bluthochdruck und erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko. Wer auf einen oberen Wert unter 120 eingestellt wurde statt unter 140, bekam über bis zu 5,2 Jahre 26 Prozent seltener neues Vorhofflimmern (Soliman 2020). Das ist einer der wenigen randomisierten Belege für echte Vorbeugung. Für dich heißt das: Kenne deine Werte. Miss zu Hause an mehreren Tagen, und sind die Werte regelmäßig erhöht, sprich mit deinem Hausarzt. Die Hebel ohne Medikament stehen im Guide Bluthochdruck natürlich senken.
Gewicht: schon 10 Prozent zählen
Übergewicht erhöht das Risiko schon im oberen Normalbereich, und Bauchfett zählt eigenständig (Aune 2017). Den deutlichsten Effekt einer Abnahme zeigt die LEGACY-Studie mit 355 übergewichtigen Menschen mit Vorhofflimmern: Wer mindestens 10 Prozent seines Gewichts verlor und es hielt, hatte eine sechsfach höhere Chance, über die Jahre ohne Rhythmusstörung zu bleiben, als wer weniger abnahm. Starkes Hin und Her beim Gewicht um mehr als 5 Prozent machte einen Teil des Nutzens wieder zunichte (Pathak 2015). Langsam und dauerhaft schlägt also schnell und mit Rückfall. Bei 90 Kilo sind 10 Prozent neun Kilo, verteilt über ein Jahr.
Bewegung: regelmäßig ja, extrem nur mit Augenmaß
Wer sitzt, hat ein deutlich höheres Risiko als wer sich moderat bewegt (Mohanty 2016). Bei Menschen mit Vorhofflimmern hat Training in einer randomisierten Studie direkt gewirkt: Nach einem halben Jahr Ausdauertraining zu Hause und unter Anleitung waren nach zwölf Monaten 40 Prozent ohne Rückfall und ohne Rhythmusmedikament, in der Kontrollgruppe 20 Prozent (Elliott 2023).
Die Ausnahme sind Männer mit sehr viel intensivem Ausdauersport über viele Jahre. In der Meta-Analyse von 22 Studien senkte intensives Training das Risiko bei Frauen um 28 Prozent, bei Männern erhöhte es das Risiko um mehr als das Dreifache (Mohanty 2016). In Fall-Kontroll-Studien mit überwiegend männlichen Athleten um die 50 hatten 23 Prozent der Sportler Vorhofflimmern, aber nur 12,5 Prozent der Vergleichspersonen (Abdulla 2009). Für die allermeisten heißt das nichts anderes als: Bewegung schützt. Drei Einheiten lockeres Ausdauertraining pro Woche, wie im Guide zum Zone-2-Training beschrieben, liegen weit unter dem Bereich, um den es bei Athleten geht. Wer jahrzehntelang Marathon oder Langdistanz-Triathlon macht und Herzstolpern bemerkt, sollte das kardiologisch abklären lassen und nicht wegtrainieren.
Schlaf, Rauchen und Ernährung
Wer laut schnarcht, Atemaussetzer hat oder tagsüber kaum wach bleibt, sollte eine Schlafapnoe prüfen lassen, denn der nächtliche Sauerstoffabfall ist ein eigenständiger Risikofaktor (Gami 2007). Rauchen gehört zu den Risikofaktoren aus ARIC und Framingham (Huxley 2011, Staerk 2018). Bei der Ernährung ist die Lage dünner, als viele Ratgeber behaupten: Belegt ist der Nutzen von weniger Alkohol, bei Schokolade, Fisch, Salz, Fettsäuren, Vitaminen und Mikronährstoffen ist die Wirkung auf Vorhofflimmern unklar (Gawałko 2024). Eine Ernährung, die Gewicht und Blutdruck senkt, wirkt also vor allem über diese beiden Hebel. Ein Supplement gegen Vorhofflimmern gibt es nicht.
Dein nächster Schritt
- Heute: eine Minute Puls tasten und auf den Rhythmus achten.
- Diese Woche: an drei Tagen morgens und abends Blutdruck messen und den Mittelwert notieren.
- Diesen Monat: Alkohol auf höchstens ein paar Gläser pro Woche begrenzen, mit mehreren alkoholfreien Tagen.
- Dauerhaft: drei Ausdauereinheiten pro Woche und, wenn nötig, 10 Prozent Gewicht in einem Jahr.
- Bei Stolpern ohne Muster: EKG beim Hausarzt, am besten während der Beschwerden.
Häufige Fragen
Was sind die häufigsten Ursachen von Vorhofflimmern?
Das Alter, Bluthochdruck, Übergewicht, Alkohol, Diabetes, Schlafapnoe und bestehende Herzerkrankungen. Mehr als die Hälfte der Fälle lässt sich auf nicht optimale Risikofaktoren zurückführen, an erster Stelle den Blutdruck (Huxley 2011). Meist wirken mehrere Faktoren über Jahre zusammen, ein einzelner Auslöser wie ein Gelage startet dann den Anfall.
Wie fühlt sich Vorhofflimmern an?
Häufig als Herzstolpern oder Herzrasen ohne festen Takt, dazu Luftnot, Schwindel, Druck auf der Brust, Müdigkeit oder nachlassende Belastbarkeit (Ko 2025). 10 bis 40 Prozent der Betroffenen spüren aber gar nichts (Ko 2025). Deshalb ist ein regelmäßig getasteter Puls aussagekräftiger als das eigene Gefühl.
Ist Vorhofflimmern gefährlich?
Akut selten, auf Dauer ja, vor allem wegen des Schlaganfallrisikos, das in Framingham fast fünfmal so hoch war (Wolf 1991). Mit Diagnose und, wenn nötig, Gerinnungshemmung lässt sich dieses Risiko stark senken (Ko 2025). Die Entscheidung über eine Behandlung trifft der Arzt. Bei Brustschmerz, Ohnmacht oder Schlaganfallzeichen gilt immer der Notruf 112.
Kann Alkohol Vorhofflimmern auslösen?
Ja, akut und langfristig. Auf dem Oktoberfest stieg die Wahrscheinlichkeit einer Rhythmusstörung pro Promille um das 1,75-Fache (Brunner 2017), und schon ein Drink am Tag hing über die Jahre mit 16 Prozent mehr Vorhofflimmern zusammen (Csengeri 2021). Bei Betroffenen senkte der Verzicht die Rückfälle deutlich (Voskoboinik 2020).
Kann man Vorhofflimmern vorbeugen?
Ganz verhindern nicht, das Alter bleibt. Aber das Lebenszeitrisiko lag mit optimalen Werten bei 23 statt 38 Prozent (Staerk 2018). Die wirksamsten Hebel sind Blutdruck, Alkohol, Gewicht und regelmäßige Bewegung, dazu eine abgeklärte Schlafapnoe. Keiner davon kostet Geld.
Erkennt eine Smartwatch Vorhofflimmern zuverlässig?
Als Hinweis ja, als Diagnose nein. In der Apple Heart Study stimmten 84 Prozent der Warnungen mit einem gleichzeitig aufgezeichneten EKG überein (Perez 2019). Eine Warnung gehört deshalb zum Hausarzt, der per EKG bestätigt oder ausschließt. Ohne Warnung bist du nicht automatisch unauffällig, und der getastete Puls leistet für den Anfang dasselbe.
Quellen
- Ko D et al. Atrial Fibrillation: A Review. JAMA 2025. PubMed
- Staerk L et al. Lifetime risk of atrial fibrillation according to optimal, borderline, or elevated levels of risk factors: cohort study based on longitudinal data from the Framingham Heart Study. BMJ 2018. PubMed
- Huxley RR et al. Absolute and attributable risks of atrial fibrillation in relation to optimal and borderline risk factors: the Atherosclerosis Risk in Communities (ARIC) study. Circulation 2011. PubMed
- Wolf PA et al. Atrial fibrillation as an independent risk factor for stroke: the Framingham Study. Stroke 1991. PubMed
- Blackshear JL, Odell JA. Appendage obliteration to reduce stroke in cardiac surgical patients with atrial fibrillation. Ann Thorac Surg 1996. PubMed
- Wilke T et al. Incidence and prevalence of atrial fibrillation: an analysis based on 8.3 million patients. Europace 2013. PubMed
- Schnabel RB et al. 50 year trends in atrial fibrillation prevalence, incidence, risk factors, and mortality in the Framingham Heart Study: a cohort study. Lancet 2015. PubMed
- Aune D et al. Body mass index, abdominal fatness, fat mass and the risk of atrial fibrillation: a systematic review and dose-response meta-analysis of prospective studies. Eur J Epidemiol 2017. PubMed
- Csengeri D et al. Alcohol consumption, cardiac biomarkers, and risk of atrial fibrillation and adverse outcomes. Eur Heart J 2021. PubMed
- Brunner S et al. Alcohol consumption, sinus tachycardia, and cardiac arrhythmias at the Munich Octoberfest: results from the Munich Beer Related Electrocardiogram Workup Study (MunichBREW). Eur Heart J 2017. PubMed
- Voskoboinik A et al. Alcohol Abstinence in Drinkers with Atrial Fibrillation. N Engl J Med 2020. PubMed
- Soliman EZ et al. Effect of Intensive Blood Pressure Lowering on the Risk of Atrial Fibrillation. Hypertension 2020. PubMed
- Pathak RK et al. Long-Term Effect of Goal-Directed Weight Management in an Atrial Fibrillation Cohort: A Long-Term Follow-Up Study (LEGACY). J Am Coll Cardiol 2015. PubMed
- Elliott AD et al. An Exercise and Physical Activity Program in Patients With Atrial Fibrillation: The ACTIVE-AF Randomized Controlled Trial. JACC Clin Electrophysiol 2023. PubMed
- Mohanty S et al. Differential Association of Exercise Intensity With Risk of Atrial Fibrillation in Men and Women: Evidence from a Meta-Analysis. J Cardiovasc Electrophysiol 2016. PubMed
- Abdulla J, Nielsen JR. Is the risk of atrial fibrillation higher in athletes than in the general population? A systematic review and meta-analysis. Europace 2009. PubMed
- Gami AS et al. Obstructive sleep apnea, obesity, and the risk of incident atrial fibrillation. J Am Coll Cardiol 2007. PubMed
- Gawałko M et al. Diet and risk of atrial fibrillation: a systematic review. Eur Heart J 2024. PubMed
- Perez MV et al. Large-Scale Assessment of a Smartwatch to Identify Atrial Fibrillation. N Engl J Med 2019. PubMed
- Svennberg E et al. Clinical outcomes in systematic screening for atrial fibrillation (STROKESTOP): a multicentre, parallel group, unmasked, randomised controlled trial. Lancet 2021. PubMed
- ESC-Leitlinie: Van Gelder IC et al. 2024 ESC Guidelines for the management of atrial fibrillation developed in collaboration with the European Association for Cardio-Thoracic Surgery (EACTS). Eur Heart J 2024. PubMed
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Gregor Karmann