Nierenwerte Tabelle: Normalwerte nach Alter und Geschlecht
Kreatinin, eGFR, Cystatin C, Harnstoff, Albumin im Urin und Kalium: welche Werte normal sind, wie stark die eGFR mit dem Alter sinkt, warum Frauen und Männer andere Zahlen haben, wann Muskeln oder Kreatin das Kreatinin hochtreiben und wann du zum Arzt gehst.

Kurz gesagt
Eine eGFR ab 60 ohne Eiweiß im Urin ist unauffällig. Erst Werte, die über 3 Monate bestehen bleiben, gelten als Nierenerkrankung.
- Die zwei wichtigsten Nierenwerte sind die eGFR aus dem Blut und das Albumin im Urin (UACR). Nach KDIGO 2024 ist eine eGFR unter 60 oder eine UACR ab 30 mg/g auffällig, eine Nierenerkrankung liegt aber erst vor, wenn der Befund mindestens 3 Monate besteht (KDIGO 2024).
- Die eGFR sinkt mit dem Alter auch bei Gesunden: Bei 20-jährigen Männern liegt der Median bei 99, bei 80-jährigen bei 66 (Astley 2025). Ein Wert von 55 mit 80 ist deshalb etwas anderes als 55 mit 35.
- Viel Muskelmasse, Kreatin (im Mittel plus 0,13 mg/dl, Tsiaras 2026) und ein Fleischgericht vor der Blutabnahme heben das Kreatinin, ohne dass die Niere schlechter arbeitet. Dann klärt Cystatin C, ob die eGFR stimmt.
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Eine Nierenwerte Tabelle beantwortet eine einfache Frage: Liegt mein Laborwert im normalen Bereich? Die ehrliche Antwort ist bei der Niere etwas komplizierter als bei anderen Blutwerten, weil Kreatinin von Muskelmasse, Essen und Nahrungsergänzung abhängt und die Filterleistung auch bei Gesunden mit dem Alter sinkt. Dieser Guide zeigt dir alle wichtigen Nierenwerte mit Normalbereich und Quelle, die offiziellen Stadien nach der internationalen Leitlinie KDIGO 2024, eine eGFR-Tabelle nach Alter, die Unterschiede zwischen Frauen und Männern und eine klare Regel, wann ein Wert ärztlich abgeklärt gehört.
Wenn deine Werte schon auffällig sind und du wissen willst, was sie verbessert, lies danach den Guide Nierenwerte verbessern: die Hebel mit der stärksten Evidenz. Hier geht es darum, die Zahlen richtig zu lesen.
Nierenwerte Tabelle: alle Werte auf einen Blick
Die folgende Tabelle fasst die sechs Werte zusammen, die auf einem Laborbefund zur Niere stehen können. Die Normalbereiche sind Richtwerte aus den genannten Quellen. Maßgeblich ist immer der Referenzbereich deines Labors, weil Messmethoden sich unterscheiden: Beim Kreatinin liefert die ältere Jaffé-Methode höhere Werte als die enzymatische Messung (Hosten 1990).
| Wert | Was er zeigt | Normalbereich Erwachsene | Quelle |
|---|---|---|---|
| Kreatinin (Blut) | Abbauprodukt aus dem Muskel, steigt, wenn die Niere weniger filtert | Männer 0,6 bis 1,2 mg/dl (53 bis 106 µmol/l), Frauen 0,5 bis 1,1 mg/dl (44 bis 97 µmol/l). Obergrenze in der deutschen Bevölkerung (25 bis 65 Jahre): Männer 1,11 bis 1,23, Frauen 0,93 bis 1,00 mg/dl, steigend mit dem Alter | Hosten 1990, Hannemann 2011 |
| eGFR | Geschätzte Filterleistung in ml/min pro 1,73 m², berechnet aus Kreatinin, Alter und Geschlecht | 60 und mehr ist ohne weitere Nierenschäden unauffällig, 90 und mehr gilt als normal oder hoch. Altersabhängig, siehe Tabelle unten | KDIGO 2024 |
| Cystatin C (Blut) | Eiweiß, das alle Körperzellen bilden, weitgehend unabhängig von der Muskelmasse | Obergrenze Männer 0,92 bis 1,04 mg/l, Frauen 0,84 bis 1,02 mg/l, steigend mit dem Alter (stark methodenabhängig) | Hannemann 2011 |
| Harnstoff (Blut) | Endprodukt des Eiweißstoffwechsels | Harnstoff-Stickstoff 5 bis 20 mg/dl, entspricht Harnstoff 1,8 bis 7,1 mmol/l oder rund 11 bis 43 mg/dl | Hosten 1990 |
| Albumin-Kreatinin-Quotient im Urin (UACR) | Eiweißverlust über die Niere, frühes Schadenszeichen | Unter 30 mg/g (unter 3 mg/mmol) | KDIGO 2024 |
| Kalium (Blut) | Elektrolyt, das die Niere ausscheidet, wichtig für Herzrhythmus und Muskeln | 3,5 bis 5,0 mmol/l, als Obergrenze gelten je nach Labor 5,0 bis 5,5 | Castro 2025, Simon 2025 |
Zwei dieser Werte tragen die meiste Information: die eGFR aus dem Blut und die UACR aus dem Urin. Die Leitlinie empfiehlt, bei Risiko für eine Nierenerkrankung immer beide zu bestimmen, weil jeder für sich einen Teil der Schäden übersieht (KDIGO 2024). Harnstoff und Kalium sind Begleitwerte, Cystatin C ist der Wert für Zweifelsfälle.
eGFR-Stadien und Albumin-Stufen nach KDIGO 2024
Die internationale Leitlinie KDIGO 2024 teilt die Nierenfunktion in sechs eGFR-Kategorien (G1 bis G5) und drei Albumin-Kategorien (A1 bis A3) ein. Eine chronische Nierenerkrankung liegt nur vor, wenn eine Auffälligkeit mindestens 3 Monate besteht. Eine eGFR von 60 bis 89 allein ist ausdrücklich noch keine Erkrankung, solange keine weiteren Zeichen eines Nierenschadens wie Albumin im Urin dazukommen (KDIGO 2024).
| Kategorie | eGFR (ml/min/1,73 m²) | Bezeichnung nach KDIGO |
|---|---|---|
| G1 | 90 und mehr | Normal oder hoch |
| G2 | 60 bis 89 | Leicht vermindert (ohne Schadenszeichen keine Nierenerkrankung) |
| G3a | 45 bis 59 | Leicht bis mäßig vermindert |
| G3b | 30 bis 44 | Mäßig bis stark vermindert |
| G4 | 15 bis 29 | Stark vermindert |
| G5 | unter 15 | Nierenversagen |
| Kategorie | UACR in mg/g | UACR in mg/mmol | Bezeichnung nach KDIGO |
|---|---|---|---|
| A1 | unter 30 | unter 3 | Normal bis leicht erhöht |
| A2 | 30 bis 300 | 3 bis 30 | Mäßig erhöht |
| A3 | über 300 | über 30 | Stark erhöht |
Die Leitlinie kombiniert beide Achsen zu einer Risikomatrix: Eine eGFR von 50 mit normalem Urin ist ein anderes Risiko als eine eGFR von 50 mit viel Albumin. Die Daten dahinter stammen aus dem CKD Prognosis Consortium. In dessen Meta-Analyse von Bevölkerungskohorten mit 105.872 Teilnehmern war das Sterberisiko zwischen einer eGFR von 75 und 105 nicht erhöht. Gegenüber einer eGFR von 95 lag es bei 60 um 18 Prozent höher, bei 45 um 57 Prozent und bei 15 dreimal so hoch. Beim Albumin im Urin gab es keine Schwelle: Schon ein Quotient von 10 mg/g ging mit 20 Prozent mehr Sterberisiko einher, rund 30 mg/g mit 63 Prozent, rund 300 mg/g mit gut doppelt so hohem Risiko. Beide Werte wirkten unabhängig voneinander (Matsushita 2010).
Nierenwerte Tabelle nach Alter: die eGFR sinkt auch bei Gesunden
Die Grenze von 60 gilt für alle Altersgruppen gleich, obwohl die Filterleistung auch bei Gesunden mit dem Alter sinkt. Eine große europäische Auswertung dazu umfasst 1.535.253 gesunde Erwachsene aus neun Bevölkerungsstudien. Bei 20-jährigen Männern lag die eGFR im Median bei 99, bei 20-jährigen Frauen bei 101. Mit 80 Jahren waren es 66 bei Männern und 63 bei Frauen. Die unteren 5 Prozent der gesunden 80-Jährigen lagen bei 49 (Männer) und 46 (Frauen) (Astley 2025).
Die folgende Tabelle rechnet diesen Verlauf auf alle Altersstufen um. Sie nutzt die Formel von Pottel und Kollegen, die aus Referenzwerten für Kreatinin einen Mittelwert und eine untere Normgrenze der GFR je Alter ableitet: bis 40 Jahre konstant, danach minus 1,2 Prozent pro Jahr. An gemessenen GFR-Werten von 633 Nierenspendern lagen 97,2 Prozent innerhalb dieser Grenzen (Pottel 2017).
| Alter | Typische eGFR bei Gesunden | Untere Normgrenze | Einordnung |
|---|---|---|---|
| 20 bis 40 | rund 107 | rund 81 | Werte unter 80 sind in diesem Alter schon ungewöhnlich |
| 50 | rund 95 | rund 72 | Beginn des altersbedingten Rückgangs |
| 60 | rund 84 | rund 63 | Werte um 65 können noch altersgerecht sein |
| 70 | rund 75 | rund 56 | Ein Teil der Gesunden liegt knapp unter 60 |
| 80 | rund 66 | rund 50 | Passt zu den europäischen Daten: Median 66 bzw. 63, untere 5 Prozent 49 bzw. 46 (Astley 2025) |
| 90 | rund 59 | rund 44 | Eine eGFR um 50 ist hier häufig altersgerecht |
Berechnet nach Pottel 2017: Mittelwert 107,3 × 0,988 hoch (Alter minus 40), untere Grenze 80,7 × 0,988 hoch (Alter minus 40). Gilt für Erwachsene ohne Nierenerkrankung, gerundet.
Wie schnell der Rückgang läuft, zeigen Studien mit gemessener GFR. Bei 2.974 britischen Nierenspendern lag die GFR bis 35 Jahre im Mittel bei 100 und fiel danach um 6,6 (Männer) und 7,7 (Frauen) pro Jahrzehnt (Fenton 2018). In der norwegischen RENIS-Kohorte mit 50- bis 62-Jährigen verloren Frauen 0,96 und Männer 1,20 Punkte pro Jahr, Gesunde etwas weniger (Melsom 2022).
Schlechte Nierenwerte im Alter: Krankheit oder Alterung?
Weil die Grenze von 60 nicht mitaltert, bekommen viele gesunde Ältere den Stempel Nierenerkrankung. Unter den britischen Spendern, die sorgfältig auf Gesundheit ausgewählt waren, lag die GFR bei 10,5 Prozent der über 60-Jährigen unter 60 (Fenton 2018). Nephrologen um Delanaye schlagen deshalb altersabhängige Grenzwerte vor: Bei Jüngeren steigt das Sterberisiko schon unter einer GFR von 75, bei Älteren erst unter 45 (Delanaye 2019).
Für dich heißt das: Eine eGFR von 55 mit 78 Jahren, stabil über Jahre und ohne Albumin im Urin, ist meist Alterung. Dieselbe 55 mit 35 Jahren gehört abgeklärt. Entscheidend sind drei Fragen: Ist Albumin im Urin? Fällt der Wert schneller als erwartet? Gibt es Bluthochdruck oder Diabetes?
Nierenwerte Tabelle für Frauen und Männer: warum es zwei Spalten gibt
Frauen haben im Schnitt weniger Muskelmasse und deshalb niedrigeres Kreatinin, bei gleicher Filterleistung. Die aktuelle Schätzformel CKD-EPI 2021, die die meisten Labore für die eGFR verwenden, rechnet das über getrennte Konstanten für Frauen und Männer heraus (Inker 2021). Die praktische Folge: Derselbe Kreatininwert bedeutet bei Frauen eine niedrigere eGFR.
| Beispiel, 50 Jahre | Kreatinin | eGFR nach CKD-EPI 2021 |
|---|---|---|
| Mann | 1,0 mg/dl | rund 92 (G1) |
| Frau | 1,0 mg/dl | rund 69 (G2) |
| Frau | 0,8 mg/dl | rund 90 (G1) |
Eigene Berechnung mit der Formel und den Koeffizienten aus Inker 2021.
Bei der tatsächlich gemessenen Filterleistung sind die Unterschiede klein und nicht einheitlich. In der RENIS-Kohorte hatten Frauen mit 50 bis 62 Jahren eine GFR von 90, Männer von 98, verloren aber pro Jahr weniger (Melsom 2022). Bei den britischen Spendern lagen Männer mit 92 knapp über Frauen mit 88,1 (Fenton 2018). In der belgisch-französischen Spendergruppe gab es unter 50 Jahren keinen Unterschied, darüber lagen Frauen niedriger (Pottel 2017).
Auch beim Urinwert gibt es einen Geschlechtereffekt: Frauen scheiden weniger Kreatinin im Urin aus, deshalb fällt ihr Albumin-Kreatinin-Quotient bei gleichem Albuminverlust höher aus (KDIGO 2024). Die Grenzwerte der Leitlinie sind trotzdem für beide Geschlechter gleich.
Kreatinin erhöht: wann Muskeln, Kreatin und Fleisch den Wert verfälschen
Kreatinin entsteht aus Kreatin im Muskel. Wer mehr Muskel hat, bildet mehr Kreatinin, ohne dass die Niere schlechter filtert. Die Leitlinie nennt Muskelmasse, Ernährung, einige Medikamente und Kreatin als sogenannte Nicht-GFR-Faktoren, die das Kreatinin verändern, ohne dass sich die Nierenfunktion ändert (KDIGO 2024).
Viel Muskelmasse und Training
In einer Studie mit 170 gesunden Erwachsenen hatten die mäßig bis intensiv Aktiven mehr Magermasse und ein höheres Kreatinin als die Inaktiven: 1,04 gegenüber 0,95 mg/dl. Cystatin C unterschied sich zwischen den Gruppen nicht, und es hing auch nicht von der Magermasse ab (Baxmann 2008). Die Leitlinie führt Extremsport und Bodybuilding deshalb ausdrücklich als Situation, in der Cystatin C die bessere Wahl ist (KDIGO 2024).
Kreatin-Einnahme
Kreatin als Nahrungsergänzung hebt das Kreatinin im Blut. Eine Meta-Analyse von 20 randomisierten Studien fand im Mittel einen Anstieg um 0,13 mg/dl. Harnstoff und eGFR unterschieden sich dagegen nicht von Placebo, auch nicht bei Einnahme über mehr als einen Monat (Tsiaras 2026). Zur Einordnung: Steigt das Kreatinin eines 50-jährigen Mannes von 1,0 auf 1,13 mg/dl, sinkt die rechnerische eGFR von rund 92 auf rund 79, ohne dass sich an der Niere etwas geändert haben muss (eigene Berechnung nach Inker 2021). Studien über ein Jahr hinaus fehlen noch.
Wenn du Kreatin nimmst, sag es bei der Blutabnahme dazu und lass bei grenzwertiger eGFR Cystatin C mitbestimmen. Wie Kreatin dosiert wird und wofür die Evidenz reicht, steht im Kreatin-Guide.
Fleisch vor der Blutabnahme
Gekochtes Fleisch enthält Kreatinin. In einem Versuch mit 32 Teilnehmern stieg das Kreatinin 1 bis 2 Stunden nach einer Fleischmahlzeit im Median von 80,5 auf 101 µmol/l (0,91 auf 1,14 mg/dl), die eGFR fiel von 84 auf 59,5. Nach einer fleischfreien Mahlzeit passierte kaum etwas, Cystatin C blieb weitgehend unbeeinflusst (Preiss 2007). Die Leitlinie empfiehlt deshalb, nach Fleisch oder Fisch mindestens 12 Stunden bis zur Messung zu warten (KDIGO 2024).
Medikamente
Anabole Steroide und Medikamente, die die Ausscheidung von Kreatinin in den Nierenkanälchen bremsen, erhöhen das Kreatinin ebenfalls, ohne die Filterleistung zu senken (KDIGO 2024). Setz nichts eigenmächtig ab, sondern sprich die Liste deiner Medikamente bei einem auffälligen Wert mit der Ärztin oder dem Arzt durch.
Cystatin C: der zweite Blick auf die Filterleistung
Cystatin C wird von allen Körperzellen gleichmäßig gebildet und hängt kaum von der Muskelmasse ab. Die Leitlinie empfiehlt, die eGFR aus Kreatinin und Cystatin C gemeinsam zu berechnen, wenn der Kreatininwert allein unzuverlässig ist und das Ergebnis eine Entscheidung beeinflusst (KDIGO 2024). Die kombinierte Formel ist genauer als die Formel aus Kreatinin allein (Inker 2021).
Cystatin C sagt auch das Risiko besser voraus. In einer Meta-Analyse mit über 90.000 Teilnehmern aus der Allgemeinbevölkerung lagen mit Cystatin C 13,7 Prozent unter einer eGFR von 60, mit Kreatinin 9,7 Prozent. Wer mit Cystatin C in eine bessere Kategorie rutschte, hatte tatsächlich ein niedrigeres Risiko für Tod und Nierenversagen, wer in eine schlechtere rutschte, ein höheres (Shlipak 2013).
Ganz frei von Störfaktoren ist auch Cystatin C nicht: Übergewicht, Rauchen, Schilddrüsenstörungen, Kortison und chronische Entzündung können den Wert verändern (KDIGO 2024). Sinnvoll ist Cystatin C vor allem bei viel Muskelmasse, bei Kreatin-Einnahme, bei sehr wenig Muskelmasse im Alter und immer dann, wenn eine eGFR knapp unter 60 über eine Diagnose entscheidet. Frag vorher, ob die Kosten übernommen werden.
Harnstoff: allein wenig aussagekräftig
Harnstoff entsteht beim Abbau von Eiweiß. Sein Normalbereich ist breit, weil er von Eiweißzufuhr, Muskelabbau, Flüssigkeitshaushalt und Leberfunktion abhängt, nicht nur von der Niere (Hosten 1990). Ein leicht erhöhter Harnstoff nach eiweißreichen Tagen oder bei zu wenig Trinken ist deshalb kein Nierenbefund. Achtung bei der Einheit: In den USA wird nur der Stickstoffanteil (BUN) gemessen, der Wert ist rund halb so groß wie der Harnstoff (Hosten 1990). Aussagekraft bekommt Harnstoff erst zusammen mit Kreatinin und eGFR.
Albumin im Urin (UACR): der unterschätzte Nierenwert
Die UACR misst, wie viel Eiweiß die Niere durchlässt, bezogen auf das Kreatinin im selben Urin. Sie zeigt Schäden, die in der eGFR noch nicht sichtbar sind. Wie häufig das vorkommt, zeigt die Gutenberg-Gesundheitsstudie aus Mainz mit 10.125 Teilnehmern: Nur 2,5 Prozent hatten eine eGFR unter 60, aber 10,4 Prozent eine UACR über 30 mg/g. Bei 6,8 Prozent blieb der Wert über 5 Jahre erhöht, und 3,2 Prozent der Teilnehmer ohne Bluthochdruck, Diabetes oder bekannte Nierenerkrankung hatten dauerhaft erhöhtes Albumin im Urin (Kraus 2026).
Weil der Wert stark schwankt, gibt die Leitlinie klare Regeln: bevorzugt Morgenurin aus dem Mittelstrahl, und ein Wert ab 30 mg/g aus einer beliebigen Probe wird mit einem Morgenurin bestätigt. Falsch hoch sind Werte nach Sport, während der Menstruation, bei Harnwegsinfekt und bei Blut im Urin (KDIGO 2024).
Kalium: wichtig, sobald die Niere schwächer wird
Die Niere scheidet den größten Teil des Kaliums aus. Solange die eGFR normal ist, bleibt Kalium meist stabil. In einer Auswertung von 911.698 Patientendaten verlief das Sterberisiko U-förmig: am niedrigsten zwischen 4,0 und unter 5,0 mmol/l, darunter und darüber mit jedem Zehntel höher. 27,6 Prozent lagen unter 4,0, 5,7 Prozent bei 5,0 oder darüber. Entwässerungsmittel gingen mit zu niedrigem, Blutdruckmittel aus der RAAS-Gruppe mit zu hohem Kalium einher (Collins 2017).
Ein hoher Kaliumwert ist oft ein Messfehler. Eine zu fest angelegte Stauung, Pumpen mit der Faust bei der Blutabnahme oder zerstörte Blutzellen durch Schütteln oder langes Liegen der Probe setzen Kalium aus den Zellen frei. Dann wird die Probe korrekt wiederholt (KDIGO 2024). Symptome treten bei zu hohem Kalium meist erst über 6,0 mmol/l auf (Simon 2025).
Blutbild und Nierenwerte: was du bei der Blutabnahme beachten solltest
Nierenwerte gehören genau genommen nicht zum Blutbild, das die Blutzellen zählt, sondern zur klinischen Chemie. Wenn du beim Hausarzt ein Blutbild mit Nierenwerten anfragst, bitte gezielt um Kreatinin mit eGFR und um eine UACR aus dem Urin. Was in der gesetzlichen Vorsorge enthalten ist, steht im Guide zum Check-up ab 35. So bekommst du einen Wert, der deine Niere zeigt und nicht dein Abendessen:
- Kein Fleisch und kein Fisch in den 12 Stunden vor der Blutabnahme, am einfachsten nüchtern am Morgen (KDIGO 2024).
- Kein hartes Training am Vortag. Starke Belastung verändert Kreatinin und erhöht das Albumin im Urin (KDIGO 2024).
- Kreatin angeben, oder für einen sauberen Ausgangswert nach Rücksprache vor der Messung pausieren.
- Morgenurin für die UACR, nicht während der Periode und nicht bei einem Infekt (KDIGO 2024).
- Arm locker lassen bei der Abnahme, keine Faust pumpen, damit das Kalium stimmt (KDIGO 2024).
- Werte sammeln: Heb alte Befunde auf. Eine einzelne Zahl sagt weniger als der Verlauf über Jahre.
Nierenwerte erhöht oder schlecht: was jetzt?
Ein auffälliger Wert: erst wiederholen
Ein einzelner erhöhter Kreatininwert oder eine einzelne erhöhte UACR ist noch keine Diagnose. Die Leitlinie verlangt, auffällige Befunde zu wiederholen, und eine chronische Nierenerkrankung erst festzustellen, wenn der Befund mindestens 3 Monate besteht, belegt durch frühere oder wiederholte Messungen (KDIGO 2024). Wiederhole also unter sauberen Bedingungen und nimm beim zweiten Mal Cystatin C und die UACR dazu, falls sie fehlen.
Wann du zum Arzt oder zur Nephrologin gehst
Jeder bestätigt auffällige Wert gehört mit der Hausärztin oder dem Hausarzt besprochen. An eine Nierenfachpraxis überweisen sollte man laut Leitlinie bei folgenden Befunden (KDIGO 2024):
- eGFR unter 30
- anhaltender Abfall der eGFR um mehr als 20 Prozent
- UACR dauerhaft ab 300 mg/g zusammen mit Blut im Urin, oder dauerhaft über 700 mg/g
- Verdopplung einer bereits erhöhten UACR
- Bluthochdruck, der trotz vier Medikamenten nicht eingestellt ist
- dauerhaft auffälliges Kalium
- unklare Ursache der Nierenerkrankung, erbliche Nierenerkrankung oder wiederkehrende Nierensteine
Sofort ärztlich abklären solltest du einen stark erhöhten Kaliumwert, einen plötzlichen deutlichen Kreatininanstieg, stark verminderte Urinmenge, neue Wassereinlagerungen oder Blut im Urin.
Dein nächster Schritt
Such deine letzten Laborbefunde heraus und trag eGFR und, falls vorhanden, UACR in die Tabellen oben ein. Fehlt die UACR, lass sie beim nächsten Termin mitbestimmen, vor allem bei Bluthochdruck, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankung. Liegen deine Werte im auffälligen Bereich, findest du die Maßnahmen mit der besten Studienlage im Guide Nierenwerte verbessern. Weil Blutdruck und Niere eng zusammenhängen, lohnt sich auch der Guide Bluthochdruck natürlich senken.
Häufige Fragen zu Nierenwerten
Welche Nierenwerte sind normal?
Eine eGFR von 90 und mehr gilt als normal, 60 bis 89 ohne Albumin im Urin ist ebenfalls unauffällig. Die UACR sollte unter 30 mg/g liegen (KDIGO 2024). Kreatinin liegt bei Männern meist zwischen 0,6 und 1,2 mg/dl, bei Frauen zwischen 0,5 und 1,1 mg/dl (Hosten 1990), maßgeblich ist der Referenzbereich deines Labors.
Ab wann sind Nierenwerte schlecht?
Auffällig ist eine eGFR unter 60 oder eine UACR ab 30 mg/g. Eine Nierenerkrankung liegt vor, wenn das mindestens 3 Monate so bleibt. Unter 30 gilt die Filterleistung als stark vermindert, unter 15 als Nierenversagen (KDIGO 2024).
Welche eGFR ist mit 70 oder 80 Jahren normal?
Mit 70 liegt die eGFR bei Gesunden typischerweise um 75, mit 80 um 66, die untere Normgrenze bei etwa 56 bzw. 50 (Pottel 2017, Astley 2025). Eine stabile eGFR knapp unter 60 ohne Albumin im Urin ist im hohen Alter häufig altersgerecht.
Warum ist mein Kreatinin erhöht, obwohl ich gesund bin?
Häufige harmlose Gründe sind viel Muskelmasse, Kreatin-Einnahme, eine Fleischmahlzeit in den Stunden vor der Abnahme und hartes Training am Vortag (Baxmann 2008, Preiss 2007, Tsiaras 2026). Klarheit bringt eine Wiederholung unter sauberen Bedingungen mit Cystatin C.
Erhöht Kreatin die Nierenwerte?
Kreatin erhöht das Kreatinin im Mittel um 0,13 mg/dl, weil mehr Kreatin im Muskel zu mehr Kreatinin abgebaut wird. Harnstoff und eGFR veränderten sich in randomisierten Studien nicht (Tsiaras 2026). Die rechnerische eGFR sinkt dadurch aber, deshalb bei der Blutabnahme angeben.
Sind die Nierenwerte bei Frauen anders?
Frauen haben meist niedrigeres Kreatinin, weil sie weniger Muskelmasse haben. Die eGFR-Formel gleicht das aus, deshalb ergibt dasselbe Kreatinin bei Frauen eine niedrigere eGFR (Inker 2021). Die Grenzwerte für eGFR und UACR sind für beide Geschlechter gleich (KDIGO 2024).
Gehören Nierenwerte zum Blutbild?
Nein, das Blutbild zählt die Blutzellen. Kreatinin, eGFR, Harnstoff und Kalium werden als klinische Chemie aus derselben Blutprobe bestimmt, die UACR aus dem Urin. Frag gezielt danach.
Kann man schlechte Nierenwerte verbessern?
Ja, zum Teil. Verfälschte Werte normalisieren sich mit sauberer Messung. Bei echter Nierenschwäche lassen sich Albumin im Urin und das Tempo des Abfalls beeinflussen, vor allem über Blutdruck, Blutzucker und Bewegung. Die Details stehen im Guide Nierenwerte verbessern.
Quellen
- KDIGO CKD Work Group. KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int 2024. PubMed
- Matsushita K et al. (CKD Prognosis Consortium). Association of estimated glomerular filtration rate and albuminuria with all-cause and cardiovascular mortality in general population cohorts: a collaborative meta-analysis. Lancet 2010. PubMed
- Inker LA et al. New Creatinine- and Cystatin C-Based Equations to Estimate GFR without Race. N Engl J Med 2021. PubMed
- Astley ME et al. Age- and sex-specific reference values of estimated glomerular filtration rate for European adults. Kidney Int 2025. PubMed
- Pottel H et al. Age-dependent reference intervals for estimated and measured glomerular filtration rate. Clin Kidney J 2017. PubMed
- Fenton A et al. Glomerular filtration rate: new age- and gender- specific reference ranges and thresholds for living kidney donation. BMC Nephrol 2018. PubMed
- Melsom T et al. Sex Differences in Age-Related Loss of Kidney Function. J Am Soc Nephrol 2022. PubMed
- Delanaye P et al. CKD: A Call for an Age-Adapted Definition. J Am Soc Nephrol 2019. PubMed
- Hannemann A et al. Age- and sex-specific reference limits for creatinine, cystatin C and the estimated glomerular filtration rate. Clin Chem Lab Med 2011. PubMed
- Hosten AO. BUN and Creatinine. In: Clinical Methods: The History, Physical, and Laboratory Examinations, 3rd edition, 1990. PubMed
- Baxmann AC et al. Influence of muscle mass and physical activity on serum and urinary creatinine and serum cystatin C. Clin J Am Soc Nephrol 2008. PubMed
- Tsiaras A et al. The Effect of Creatine Supplementation on Kidney Function: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. J Ren Nutr 2026. PubMed
- Preiss DJ et al. The influence of a cooked-meat meal on estimated glomerular filtration rate. Ann Clin Biochem 2007. PubMed
- Shlipak MG et al. Cystatin C versus creatinine in determining risk based on kidney function. N Engl J Med 2013. PubMed
- Kraus D et al. Increased albuminuria is highly prevalent in the general population: prevalence of CKD in the Gutenberg Health Study. Clin Kidney J 2026. PubMed
- Collins AJ et al. Association of Serum Potassium with All-Cause Mortality in Patients with and without Heart Failure, Chronic Kidney Disease, and/or Diabetes. Am J Nephrol 2017. PubMed
- Castro D, Sharma S. Hypokalemia. StatPearls 2025. PubMed
- Simon LV, Rout P. Hyperkalemia. StatPearls 2025. PubMed
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Gregor Karmann