Ältere Frau mit Handtrainer als Symbol für Optimismus und gesundes Altern

#126: Optimismus

Was Studien über Optimismus, körperliche Leistungsfähigkeit und ein langes gesundes Leben zeigen, plus eine konkrete Übung für deinen Alltag.

Ältere Frau mit Handtrainer als Symbol für Optimismus und gesundes Altern

Kurz gesagt

Darum geht es in diesem Beitrag.

  • Zahl der Woche – 16 Prozent
  • Warum optimistische Frauen mit 70 stärker zupacken
  • So trainierst du Optimismus wie einen Muskel

Dein nächster SchrittPlane jetzt 15 Minuten für die Best-Possible-Self-Übung in dieser Woche ein.

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Zahl der Woche – 16 Prozent

16 Prozent. Um so viel niedriger war das Demenzrisiko bei Menschen, die regelmäßig Glucosamin einnahmen, verglichen mit Nicht-Nutzern. Das zeigt eine Auswertung von 494.814 Teilnehmern der UK Biobank über median 8,9 Jahre.

Was ist Glucosamin eigentlich? Ein körpereigener Baustein, der vor allem im Knorpel deiner Gelenke vorkommt. Als Nahrungsergänzungsmittel kennst du es wahrscheinlich aus der Apotheke oder dem Drogeriemarkt, meist gegen Knieschmerzen oder beginnende Arthrose, gewonnen aus Schalentieren oder pflanzlich fermentiert.

Genau das macht den Befund interessant: eine Nahrungsergänzung fürs Knie, die möglicherweise auch etwas mit deinem Gehirn zu tun hat. Eine wichtige Einschränkung gibt es aber: Menschen, die Glucosamin nehmen, unterschieden sich bei Studienbeginn von Nicht-Nutzern (mehr Frauen, älter, mehr Vorerkrankungen). Ein klassischer Healthy-User-Bias ist also nicht ausgeschlossen.

Das bedeutet nicht, dass du jetzt Glucosamin kaufen solltest, nur um dein Gehirn zu schützen. Dafür braucht es randomisierte Studien, die es bisher nicht gibt. Wer es ohnehin gegen Gelenkbeschwerden nimmt, kann den Nebenbefund als kleines Plus verbuchen. Alle anderen: abwarten, nicht vorauseilen.


Warum optimistische Frauen mit 70 stärker zupacken

Ich bin grundsätzlich ein optimistischer Mensch. Ich schaue lieber nach vorne als zurück, und selbst wenn mal etwas schiefläuft, sehe ich meistens recht schnell die Chance darin statt nur das Problem. Was mir bisher aber nie bewusst war: Diese Grundhaltung könnte direkt mit meiner Langlebigkeit zu tun haben, nicht nur mit meiner Laune.

Kennst du das auch, dass du Optimismus für ein nettes Persönlichkeitsmerkmal hältst, aber nicht für etwas, das sich in Muskeln oder Gehtempo messen lässt? Ich habe lange genauso gedacht. Optimismus klang für mich immer nach Lebenseinstellung, nicht nach Trainingsvariable.

Genau das haben Forscher der Harvard T.H. Chan School of Public Health jetzt untersucht, mit einer der größten Langzeitstudien zu Optimismus und körperlicher Funktion, die es gibt. Sie werteten Daten von 5.930 postmenopausalen Frauen aus der Women’s Health Initiative aus, Durchschnittsalter 70 Jahre, mit Messungen zu Studienbeginn und nach 1, 3 und 6 Jahren. Optimismus wurde mit einem etablierten Fragebogen erfasst, dem Life Orientation Test.

Jetzt kommt der springende Punkt: Frauen mit höherem Optimismus-Wert hatten zu Studienbeginn eine stärkere Griffkraft (plus 0,36 kg pro Standardabweichung Optimismus-Anstieg) und schafften mehr Aufstehen-vom-Stuhl-Wiederholungen in 30 Sekunden. Wichtiger noch: Über die 6 Jahre hinweg bauten optimistischere Frauen langsamer ab. Ihr Gehtempo über 6 Meter verschlechterte sich 43 Prozent langsamer pro Jahr als bei pessimistischeren Frauen, ihre Chair-Stand-Leistung 9 Prozent langsamer. Das Risiko, unter eine klinisch relevante Schwäche-Schwelle zu fallen (zum Beispiel Griffkraft unter 16 kg), war bei den optimistischsten Frauen um 14 Prozent niedriger.

Auffällig ist, was hier NICHT zusammenhing: Die reine Gehgeschwindigkeit zu Studienbeginn unterschied sich zwischen Optimisten und Pessimisten kaum. Der Effekt zeigte sich vor allem über die Zeit, nicht als Momentaufnahme. Das passt zu der Idee, dass Optimismus nicht direkt Muskeln aufbaut, sondern eher darüber wirkt, dass optimistische Menschen eher aktiv bleiben, sich eher an Reha- oder Trainingsprogramme halten und Rückschläge eher wegstecken.

Ein Punkt ist mir wichtig, bevor wir weitermachen: Das ist eine Beobachtungsstudie an ausschließlich postmenopausalen Frauen über 65 aus den USA. Sie zeigt einen Zusammenhang, keinen Beweis, dass Optimismus die Ursache ist. Menschen, die sich gesünder fühlen, sind womöglich auch optimistischer, nicht nur umgekehrt. Trotzdem: Die Autoren kontrollierten für Ausgangsgesundheit, Depression und weitere Faktoren, der Zusammenhang blieb bestehen.

Klingt simpel. Ist es auch, zumindest die Beobachtung. Die eigentlich spannende Frage kommt jetzt: Wenn Optimismus mit besserem körperlichen Altern zusammenhängt, kann man ihn dann gezielt trainieren? Genau darum geht es in Teil 2.


So trainierst du Optimismus wie einen Muskel

Kannst du Optimismus tatsächlich trainieren, so wie einen Muskel? Die Antwort ist ja, und die Übung dahinter ist erstaunlich einfach: „Best Possible Self“, zu Deutsch etwa dein bestmögliches Selbst.

So funktioniert sie: Du setzt dich hin und schreibst für 15 bis 20 Minuten darüber, wie dein Leben aussieht, wenn in Zukunft alles so gut wie möglich gelaufen ist, und zwar so konkret wie möglich, in der Gegenwartsform, über mehrere Lebensbereiche hinweg (Gesundheit, Beziehungen, Beruf). Nicht „ich bin glücklich“, sondern was genau du tust, mit wem, wie sich das anfühlt.

Es gibt tatsächlich eine ganze Forschungsrichtung dazu. Eine Metaanalyse von 29 Studien mit insgesamt 2.909 Teilnehmern hat die Wirkung dieser Übung zusammengefasst. Ergebnis: ein messbarer Effekt auf Optimismus, ebenso auf die allgemeine positive Stimmung. Die Übungsdauer in den untersuchten Studien lag im Schnitt bei nur 14 Tagen, mit rund 24 Minuten pro Woche.

Das bedeutet nicht, dass du dein Training oder deine Ernährung vernachlässigen solltest, nur weil Optimismus auch eine Rolle spielt. Aber 15 Minuten Schreiben sind ein Hebel, der in praktisch jeden Alltag passt und nichts kostet außer etwas Zeit und einem Stift.


Challenge der Woche – Best Possible Self

Nimm dir diese Woche einmal 15 Minuten Zeit für deine eigene Best-Possible-Self-Übung.

  1. Setz dich an einen ruhigen Ort, ohne Handy in Reichweite.
  2. Stell dir dein Leben in 5 bis 10 Jahren vor, unter der Annahme, dass alles so gut gelaufen ist, wie es realistisch nur laufen kann.
  3. Schreib in der Gegenwartsform darüber, so konkret wie möglich: Wie sieht dein Alltag aus? Wer ist um dich herum? Was hast du erreicht, und wie hast du es geschafft?
  4. Deck dabei mindestens 3 Lebensbereiche ab: Gesundheit, Beziehungen, Beruf oder Sinn.
  5. Unterschreib das Geschriebene am Ende, als persönliches Commitment an dich selbst.

Was dir das bringt: Du testest an dir selbst eine Übung mit messbarem Effekt auf die eigene Zukunftserwartung. Und selbst wenn sich dein Optimismus-Wert nicht sofort ändert, hast du danach ein sehr konkretes Bild davon, wo du eigentlich hin willst.


Zitat der Woche

Optimismus ist der Glaube, der zu Leistung führt. Ohne Hoffnung und Zuversicht ist nichts zu erreichen., Helen Keller

Verfasst von Gregor Karmann

Gregor ist Gesundheits- und Präventionsmanager. Er ordnet Longevity-Forschung verständlich ein, testet Methoden in der Praxis und konzentriert sich auf bezahlbare nächste Schritte.

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